Es hat ja lange genug gedauert, bis erstmal die Typen aus dem Neanderthal mit dem Denken begannen. Es muss ernüchternd gewesen sein, als der Blumenkohl im Kopf das Denken auszuweiten begann. Der wahrscheinliche Vorgang des Denken+ Moments war ein Entscheid der Schimpansen vor etwa sechs oder sieben Millionen Jahren, ihre evolutionäre Linie aufzuspalten. Damit begann die humanitäre Linie, sich zu formen. Mit dem Denken waren Dinge im Paket, die mit dem Planen an sich und dem Gebrauch von Werkzeugen zu tun hatten. Es waren sogar kleine Splitter von sozialem Kalkül enthalten. Und wir sprechen immer noch vom Schimpansen an sich, bevor das Aufsplittern der Ahnenreihe begann.
«Tu nicht so affig.» hat demnach ein millionengrosse Vorgeschichte.
Und wo hat hier der Wunsch seinen Platz? Da wird die Recherche etwas knifflig. Denn Wünsche wurden damals noch nicht aufgeschrieben. Warum das? Wahrscheinlich waren diese Vorfahren nicht über die schriftliche Sprache und dem Fehlen dessen Erfindung nicht informiert. Ergo sind Fakten über die Wünsche kaum zu finden. Also gar nicht.
Zurück zum Huhn und dem berühmten Ei. War es für die Bildung eines Wunsches notwendig, dass das Denken ein Upgrade bekam? Schliesslich muss sich ein Wunsch aus Einzelheiten erstmal bilden können. Und dafür braucht es was genau? Ach ja, Bildung. Erst das Bilden von Gehirnmasse in grösserem Massstab und dann das Bilden von klaren Gedanken.
Oha, wie bemerkte der damalige Homo Erectus, wenn er einem Gedanken über den Weg lief? Stellte sich der kurz vor? «Hallo, ich bin ein Gedanke.» «Danke». Oder war der Erectus namens Homo einfach überrascht, was sich in seinem Kopf abzuspielen begann?
Nun, die Evolution hat sich für all das wirklich viel Zeit gelassen. Das hat zum allerersten Volksmund-Ausspruch geführt: «Früher war alles langsamer.» Mit der Zeit, der vielen vielen Zeit, konnte sich die humane Linie der Homo Leute an die ersten Gedanken besser gewöhnen.
Dann kam die Gier um die Ecke.
«Ich will besser und schneller denken, als die anderen.» und siehe da, der Wunsch nach Überlegenheit hat das Licht des Moments erblickt. Und dieser Wunsch hat sofort einen Pakt mit dem Gen der Neugier geschlossen. Ich denke (!), dass diese Gemeinschaft von Wunsch und Neugier die allerersten Wörter der menschlichen Sprache geformt hat. Alle damals als wichtig empfundenen Begriffe begannen mit dem Buchstaben «W».
Was ist das?
Wie geht das?
Warum der und nicht ich?
Weshalb denke ich so?
Wozu dient dieses Ding?
Die W-Linie der Homopathen Erectus, Neanderthalt und Sapiens waren ab da mit der Plage der Fragerei beschäftigt. Also in der Zeit zwischen dem Jagen, Höhle putzen und Kinder zeugen.
Wie gesagt, die Evolution ist eine obsessive Zeitfresserin. Sie hat sich zum Beispiel bis vor etwa einhunderttausend Jahre Zeit gelassen, um den ersten klitzekleinen Anschein des symbolischen Denkens zu entwickeln. Selbstverständlich hat der weibliche Teil der Homo-Gemeinde sofort insistiert, dass sich die andere Hälfte um Schmuckhaftes kümmern solle. Perlenschmuck und Gravuren zierten die Höhlenwände. Doch erst vor etwa 45’000 Jahren sind die Menschen damals über die Kunst gestolpert. Sie bemalten ihre Höhlen mit Dingen aus der Mitwelt und sie begannen sich zu Musikern zu formieren.
Sagt zumindest Keith Richards.
Die Evolution scheint viel dazugelernt zu haben. Sie hat sich ja auch genügend Zeit genommen. Heute scheint es so, als hätte das Denken immer wieder einen Zahn an Tempo zugelegt. Speed-Dating, Speedy Gonzalez und Speed als Stoff des unerwünschten Genusses sind Resultate des schnellen Denkens.
Quatsch.
Das schnelle Denken wirkt erstmal als positive Erfindung der Evolution. Denn damit wird die Schnelligkeit in vielen Bereichen positive Effekte erzielen. Wer schnell denken kann, wird auch schneller reagieren. Bei Gefahren. Bei Lösungen. Bei Fragen wie «liebst du mich noch?»
Manchmal wünsche ich mir, dass sich das «Bis zum Ende denken» vor dem «Schnelldenken» den Platz einnimmt.



