Grund? “Kanadas Exporte machten früher 40 Prozent des Exportumsatzes des Unternehmens aus, sind aber auf 5 Prozent gesunken.» schrieb die Los Angeles Times.
Aha, das heisst, Kanadier haben mit ihrem Boycott von Alkohol diese Misere des McManis Weinguts verursacht? Nein. Aber die Schlagzeile liest sich klickartig sehr gut. Die Fakten in diesem Fall sehen ein klitzekleinbisschen anders aus.
Die McManis Family Vineyards hat auf 3500 Acres rund 22 Mio. US $ Umsatz in Fässern produziert. Und zwar von Juli 2025 bis Juli 2026. Und hier kommt die Korrektur hinter dem Fass hervor: 90 % des Geschäfts waren Fassweinverkäufe innerhalb der USA. Ergo sind die erwähnten 40 % nur der Anteil an einem kleinen Stück des gärenden Kuchens, sprich ein Minus von 35 % auf die betroffenen zehn Prozent des Umsatzes.
Ach so. Zehn Prozent des Kuchens, in Panik verpackt als Weltuntergang. Journalismus mit Taschenrechnerallergie.
Natürlich funktioniert Boycott. Nach der ersten Drohung aus dem Süden über die Annektierung von Kanada als 51. Staat mit der Begleitung von Strafzöllen, da haben die Konsumenten reagiert. Und boykottiert. In Ontario hat LCBO, die Alkoholanbieter der Provinz alle US Weine und Schnäpse aus den Regalen gezogen und eingelagert. Das war und ist hart für die amerikanischen Weinproduzenten, wenn ein Teil des Marktes im Norden wegbricht. Umso erfreuter waren die Weingüter in Kanada, die noch immer mit dem Boom an Verkäufen «zu kämpfen» haben.
Die einen weinen. Die anderen verkaufen Wein. Und irgendwo dazwischen steht die Frage, die bleibt: Kommt das Vertrauen je zurück?
Wenn das Vertrauen einmal beschädigt ist, dann ist die Reparatur meistens ein Flickwerk. Wer sich dem wunderbaren Hobby von Liebesbeziehungen widmet, kennt diesen Zustand. Vor allem diejenigen, die sich mal in der Fremde umgesehen haben.
Vertrauen ist wahrscheinlich eines der sensibelsten Gefühlsmomente, die wir im Schatzkästchen haben. Wenn sich Risse zeigen und die Konsequenzen hart einschlagen, dann gibt es selten die vollständige Renovation. Die Risse bleiben sichtbar und spürbar, auch wenn sie gekittet wurden.
Kanada sieht die Risse und handelt. Nicht nur bei den Weinen. Der Tourismus in die Vereinigten Staaten von Amerika ust für uns Canucks nicht mehr attraktiv. Oh doch, wir mögen die Amerikaner nach wie vor. Aber wir können den aktuellen Präsidenten dieser Vereinigung irgendwie nicht ausstehen.
Boykott ist teuer. Für alle Seiten. Weingüter in Kalifornien leiden unter dem Umsatzverlust, weil wir sie boykottieren. Kanada leidet unter Steuerverlust, weil das US Angebot nicht mehr in den Läden geführt wird.
CBC’s David Cochrane meinte: «Amerika ist nicht so, weil er Präsident ist. Er ist Präsident, weil Amerika so ist.»
Als Schweiz-Kanadier lerne ich viel über die berühmte, meist diskrete Natur der kanadischen Seele. Das macht mich staunen. Und irgendwie stolz, dazuzugehören.
Wer den kanadischen Bären reizt, braucht schnelle Beine.
Oder eine bessere Politik.
Ich frage mich - weil ausser meiner Katze niemand hier ist - ob sich das Vertrauen in die USA bei einer wieder hergestellten Demokratie aktivieren lässt. Werden Kanadier:innen wieder zurück zur Normalität vor dem 45. und 47. Präsidenten zurückfinden?
Wohl kaum.
Fast im Tagesrhythmus erscheinen Meldungen über neue Märkte in der EU in Asien und in Afrika, die in Kanada’s Portfolio auftauchen. Wenn diese Allianzen funktionieren und für alle Seiten prosperierend sind, wieso sollte «die Ex» wieder das Ruder für den Markt übernehmen?
Weinerlich? Vielleicht. Aber wenigstens mit gutem Jahrgang.
«Prost!»



