Viel Rauch. Und nichts.
Wenn dicke Luft herrscht, dann gibt es entweder Flucht nach vorn oder in einen luftdichten Raum. Türen und Fenster schliessen und abwarten.
Die dicke Luft der letzten Tage war hausgemacht, denn sie waberte von den riesigen Bränden im nördlichen Ontario nach Süden. Blowin’ in the Wind ist nicht immer eine gute Idee.
Die Morgenröte kippte in ungesundes Orange und Gelb. Die Sonne klopfte gegen eine Brühe. Vergeblich.
Gut beraten ist, wer eine Tür und ein paar Fenster besitzt, die man schliessen kann. Schlecht wird es für die Menschen, die momentan ohne Haus, ohne Wohnung zu leben haben. Denn sie wollen atmen, ohne dabei krank zu werden.
Wie wacht man auf, wenn man unter einer Brücke schläft und die Luft gelb ist — und niemand hat einem gesagt, warum? Kein Handy, keine Erklärung — nur gelbe Luft und Augen, die brennen. Die Augen beginnen zu tränen, das Atmen wirkt zum Kampf nach frischer, sauberer Luft. Es gibt Shelter — temporäre Schlafstellen, die Wärme versprechen oder saubere Luft. Diese Menschen hoffen, dass ein Raum auch tagsüber offenbleibt. Für eben die Leute ohne Dach und ohne Fenster.
Draussenbleiben macht krank.
Der Kinder-Lungenfacharzt Kevan Mehta vom McMaster Children’s Hospital beschreibt die Gesundheitsrisiken in der aktuell rauchgeschwängerten Luft aus den Waldbränden. Wenn Menschen bereits unter Krankheiten leiden - was bei temporär Obdachlosen häufig ist - wird die Situation durch die Belastung von Rauch in der Luft noch verschärft.
«Viele Gesundheitsprobleme hängen mit dem sozioökonomischen Status zusammen und damit, wozu man Zugang hat. Selbst jetzt betrachten wir saubere Luft gewissermassen als Privileg», sagte er.
Rund 15’400 Menschen haben zurzeit wenig oder gar keinen Zugang zu dem Privileg saubere Luft in Toronto. Viele dieser Leute sind momentan obdachlos — eine Zahl, die sich seit 2021 mehr als verdoppelt hat. Das zeigt die «Street Needs Assessment»-Erhebung der Stadt Toronto, durchgeführt im Oktober 2024. Auch in Newmarket hat sich die Zahl inzwischen auf fast 900 Personen verdoppelt.
«Saubere Luft ist ein Privileg!»
Die Veränderung des Klimas stellt neue Forderungen an die politisch Verantwortlichen. Mehr Kühlräume, N95-Masken, hochwirksame Luftfilter in Notunterkünften — das bringt unmittelbare Erleichterung. Sozialarbeitende direkt bei den Zeltlagern ebenfalls, aber solche extremen Wetterereignisse machen einen grösseren Bedarf deutlich sichtbar: Sozialwohnungen als zentrale Gesundheitsinfrastruktur zum Beispiel.
Die Kommunen haben Notfallpläne für extreme Kälte und extreme Hitze festgelegt, um extreme Temperaturen oder eben schlechte Luftqualität mit zusätzlichen Unterkunftsplätzen abzufedern.
In Toronto wird bei Waldbrandrauch und der Warnung über mangelnde Luftqualität ein Plan zur Versorgung der Menschen ausgelöst. Die Stadt Kingston hat einen Sommerplan mit Abläufen zur Unterstützung besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen — einschliesslich obdachloser Menschen — bei extremen Wetterereignissen. Auch bei mangelnder Luftqualität.
Kanada weiss über extreme Verhältnisse vom und mit dem Wetter schon längere Zeit Bescheid. Doch die Antwort auf das veränderte Klima ist noch immer provisorisch. Denn die Kinder und Kindeskinder sind die Gruppen, die mit den stärker ausfallenden Folgen leben werden. Und müssen,
Diese Szenarien hatte ich für lange als Einzelfälle oder extreme Situationen betrachtet. Doch das ist Geschichte von gestern. Die klimatischen Veränderungen wirken nicht mehr einzeln — sie greifen ineinander. Dort, wo es heiss wird, schwindet das Wasser. Anderswo stehen Städte knietief darin. Ja, ich sorge mich um die Kinder und deren Kinder.
Die Herausforderungen sind keine Ausnahmen mehr. Sie sind der Normalzustand. Wie hilfreich wären konkrete und rasche Investitionen in den Klimaschutz zum Beispiel? Beim Abwarten werden die Kosten aller Schäden extrem teurer. Und für viele Menschen tödlicher.
Doch der aktuell hektische Ruf nach Pipelines mit Öl und Gas scheint ein Teil der Lösung zu sein.
Der Schein trügt oder heiligt die Mittel der Lobbyisten.



