Ich mag dieses Wort, solange kein «s» am Ende steht. Denn dann wäre meine Erklärung hier völlig vergebens.
Das Vergeben von Preisen, Komplimenten, Belohnungen und Auszeichnungen ist die reine Wertschätzung. Aber nur solange keine Gegenleistung erwartet wird. Denn dann wäre der Begriff an die Bestechung vergeben worden.
Die grösste Herausforderung in der Anwendung des Begriffes «vergeben» wird auch mit «verzeihen» bezeichnet. Wer sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, dem soll vergeben, vergessen, verziehen werden?
Nun, das ist der eigentliche Sinn des Wortes und der Aktion dahinter.
Wow, das kann hart an die Grenze der Toleranz gehen.
Und das Verständnis bei Menschenrechten und der grundsätzlichen Menschlichkeit.
Eine finanzielle Schuld zu vergeben ist ja bereits für viele Homo Sapienser:innen extram anspruchsvoll. «Der schuldet mir das Geld doch!», hört man dann, mit der ganzen Empörung eines gekränkten Prinzips.
Ja, aber…
Im Sinne des guten Willens oder des willentlich Guten mit etwas viel Vermögen lässt sich eine kleine Schuld wie diese doch einfach vergeben und vergessen.
Wie belastend ist es, wenn Studierende ihre Ausbildung noch mit vierzig abbezahlen?
Oder wenn steigende Hypothekarkosten die tägliche Nahrungsangebot in Frage stellen. Wohnen oder Essen als Entscheidung zu fällen ist extrem hart. Wenn Kinder involviert sind noch viel mehr.
Von der kleinen Schuld zur grossen: Ein Prozent der Bevölkerung besitzt die Hälfte aller Vermögen – und vergibt nicht gern etwas davon.
Können diese Damen und Herren der Ultrareichen nicht ihren fairen Anteil an die Gesellschaft abgeben und damit enorme Möglichkeiten der Entwicklung vergeben?
Investition in Menschen und ihre Mitwelt ist selten vergebens.
Nein, das Geld fehlt nicht. es ist einfach nur am falschen Ort parkiert.
Reden wir also über Zahlen.
Was würde es kosten, dieses parkierte Geld arbeiten zu lassen?
Mit läppischen 40 bis 50 Milliarden Dollars jährlich wäre der Hunger in der Welt vergeben.
Das wäre ein Griff in die Portokasse der Superreichen – nicht ins Portemonnaie, nicht mal in die Hosentasche.
Die Gesundheit als Basisleistung in den armen Ländern würde bis zu 370 Milliarden pro Jahr kosten. Ein wahrlich kleiner Betrag, um die Menschen grundsätzlich gesund zu halten. Malaria liesse sich mit fünf bis zehn Milliarden über zehn bis fünfzehn Jahre völlig ausrotten.
Wie wäre eine Welt gestaltet, wenn alle Kinder dieser Welt freien Zugang zu einer Grundausbildung hätten?
Nun, mit 40 bis 70 Milliarden $ pro Jahr ist dies durchaus machbar.
Dann eine Rechnung in Sachen Bildung, die Wirtschaftsfachleute interessiert. Jeder investierte Dollar in Erwachsene und Mädchen, um Schreiben und Lesen zu lernen erzeugt eine geschätzte zehnfache Rendite für die Wirtschaftsleistung.
Die Investition selbst bewegt sich im einstelligen Milliardenbetrag.
Und dann die grosse Investitionen mit noch grösserem Sparpotential sind die Themen Klima und Energie.
Das Aufforsten und das Widerherstellen von Ökosystemen kosten geschätzt etwa 300 Milliarden jährlich. Wenn dadurch die immensen Schäden bei Umweltkatastrophen vermindert oder gar verhindert werden - wie attraktiv ist das denn?
In die Zukunft investieren, statt sie zu verzocken – warum ist das eigentlich keine Selbstverständlichkeit?
Das wären konstruktive und vergebene Aufträge an und für eine intakte Welt.
Zu teuer? Vergeben wäre günstiger.



