Stubb oder Stubbe
Der Name Stubb taucht und immer wieder auf. Und stets in den Medien. Woher kenne ich diesen Namen nur? Die fünf Buchstaben sind mir sympathisch und lassen an Erinnerungen aus der Schweiz anklingen.
Ach jetzt weiss ich: ZDF, Samstagabend 20.15 flackert “Stubbe - von Fall zu Fall” über den Bildschirm. Der etwas schrullige Kommissar Stubbe radelt über den Hamburger Deich zu einem Tatort. Und er mittelt sich mit sächsischem Charme und Akzent durch jeden Fall. Diese Serie war nicht nur erfolgreich, sondern als Krimi ziemlich aussergewöhnlich. Die eigene Familie - Tochter studiert Journalismus, Haus am Wasser mit hamburgerisch-kühlem Charme mehr Sendezeit ein als die Lösung. Und das hat der Serie mehr als nur gut getan. Mir auch.
Ein Fall für Stubb.
Doch da ist noch mehr. Und eine andere Geschichte, die Story hat mit Finnland zu tun. Der Hauptdarsteller heisst nicht Wilfried Stubbe, sondern Alexander Stubb. Ein echter Finne, der sich um einen viel grösseren Tatort kümmert: Die EU, die Europäische Union ist der Fall der Fälle. ein erklärter EU-Nerd, hat er immer wieder erklärt. Der Mann hat viele Talente anzubieten. Er ist vielsprachig, extrem klar artikuliert und wirkt stets warm in seinen Auftritten und er ist social-media-erprobt. Sein grösster Fall heisst Europa und ist quicklebendig. Stubb ermittelt im Fall Europa und seinen Mitgliedern und er verlässt sich auf sein strategisches Bauchgefühl.
“Wouldn’t it be lovely...”
Der Alexander Stubb hat viele Träume und einer davon ist sehr gross. Stubb will die EU auf 40 Mitgliedstaaten erweitern. Hoppla. Er blickt vor allem auf Kanada und lässt durchblicken, dass er hier die Zahl 28 statt 51 sehen will. 28. EU-Mitglied? Nun, Premierminister Mark Carney ist bei dieser Idee nicht vor Freude auf den Zug aufgesprungen und lehnte einen Vollbeitritt Kanadas in die EU ab. Carney ist mehr der Abkommens-Vertreter und diesen Job erledigt er bisher hervorragend. Doch wie lange lassen sich die Bereitschaft von 57% Kanadiern ignorieren, die sich Kanada als 28. Mitglied der EU durchaus vorstellen können.
Versetzt?
Üblicherweise ist eine Versetzung nicht zwingend erfreulich. Eine Versetzung wirkt eher als Strafe, denn als Beförderung. Doch es gibt Ausnahmen. Der gute Wilfried Stubbe wurde von Dresden nach Hamburg versetzt. Ich habe mich von Basel nach Newmarket versetzt und bin dabei über meine heimatlichen Gefühle für Kanada gestolpert. Und Alexander Stubb, der Finne, möchte Kanada nach Europa versetzen. Kanada hat ja bereits eine Grenzverbindung zu Norwegen - die Hans Insel. Doch stellt sich dennoch die Frage: Wo gehört Kanada hin?
Das fehlende “E”
Nomen est Omen mag ja für Lateiner durchaus stimmen. Für Stubb oder Stubbe eventuell auch. Der Kommissar Stubbe hat meine Erinnerungsglöckchen angestossen und dabei den Finnen Alexander Stubb - der ohne E - ins Spiel gebracht. Wohin ist das fehlende E eigentlich verschwunden? Steht dieses eine E etwa für die Idee Europa? Sieht der Finne Stubb die Idee als Fahrplan oder als Versuchsballon? Nun, der Mensch und Politiker Stubb “leidet” unter realistischem Optimismus. Der Mensch überrationalisiere die Vergangenheit, überdramatisiere die Gegenwart und unterschätze die Zukunft. Hat Stubb das gesagt? Keine Ahnung, aber er hätte durchaus einen solchen Satz raushauen können.
Aktenzeichen EU ungelöst.
Letztes Jahr hat das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) den Kommissar Stubbe in den Ruhestand geschickt. Doch ein Stubbe lässt Fälle nicht ruhen. Ergo ist der Stubb ohne E in Europa ins grelle Licht der politischen Arena gerückt. Alexander Stubb wird bestimmt noch viel zu reden geben. Ein fehlendes E ist kein Manko. Sondern ein Plus für Europa.
«Zwischen dem 28. und dem 51. Platz liegen ein Ozean und eine Weltanschauung.»



