«Wenn Reden Silber ist, ist Schweigen Gold» beteiligt.
Für wen war diese Aufforderung gedacht oder geschrieben? Für die Diskreten unter den Menschen oder den verhafteten Komplizen, der gefälligst den Mund halten solle?
Seit gestern ist Ed Sheeran, seines Zeichens einer der erfolgreichsten britischen Musikern, in den Fokus der Medien geraten. Ed hat eine unübliche Karriere hingelegt, die ihn von YouTube und den Kleinstbühnen 2011 zum Weltruhm katapultiert haben. Was hat der gute Ed denn verbrochen, dass sich die sozialen und anderen Medien um das Thema reissen?
Sheeran ist auf Tournee und wie erwartet in grossen Stadien. Für die Tour hat er den Rapper Macklemore und eine irische Folk-Band für die Tour engagiert. Dann fielen die Worte des Anstosses, als Macklemore for neunzigtausend Menschen «Free Palestine» rief und den Genozid in Gaza kritisierte.
Ed Sheeeran wollte keine Politik auf der Bühne, jetzt hat er keine Band und kein Vorprogramm auf derselben Bühne. Die Stadionbühne gehört jemandem. Einem Mann mit viel Geld. Und wo viel Geld sich zusammenfindet, ist die Macht und deren Demonstration noch grösser. Nun der Besitzer einiger Stadien heisst Robert Kraft. Er ist von Beruf Milliardär. Scheinbar rief dieser Robert den Musiker Ed an und verlangte, dass Macklemore nicht mehr in seinen Stadien auftreten kann. Das Ultimatum hat scheinbar gewirkt, denn Ed Sheeran hat Macklemore von der Tour ausgeladen. Und dann kamen die berühmten Dominosteine ins Rutschen und fielen um. Die Iren haben ihre Konsequenzen gezogen. Kein Vorprogramm und keine Band im Mittelteil. Alle haben gekündigt.
Wenn sich die Medien in Schlagzeilen überschlagen, dann werde ich immer etwas misstrauisch. Zu laut. Zu anklagend. Zu eindeutig. Das wird etwas zuviel Unverdautes in die Welt hinausgepostet. Scheint mir.
Palästina.
Ist das dies das Wort des Unwillens? Ein Staat, der keiner ist? Ein Land, das nicht anerkannt wurde? Palästina ist ein Reizwort mit einer tragischen Geschichte. Ganz hinten in meinem Kopf schlummert noch die Erinnerung an Yassir Arafat, der die PLO gründete und vor allem die Bilder der Flugzeugentführungen. 1980 stürzte durch eine Anschlag eine Swissair Maschine in Würenlingen ab und forderte 47 Menschenleben.
Dennoch gab es in den Siebziger Jahren Solidärität mit Palästine und den palästinensischen Menschen.
Free Palestine
Diese beiden Wörter sind der Stein des Anstosses. Warum? Weil sie scheinbar mehrdeutig wirken. Entweder bedeutet dieser Ruf, dass die Besatzung von Israel von 1967 beendet wird. Oder dass schlicht das Ende des Staates Israel. Die Parole beherbergt bereits den Konflikt selbst.
Zudem ist das alles auch eine Geldfrage. Israel erhält jährlich fast vier Milliarden Dollar Militärhilfe. Dann haben die Besitzer der Stadien ihre mächtigen Positionen, die sie verteidigen wollen. Mit soviel Struktur auf der einen Seite, wird die andere Seite zum Risiko.
Kanada und die Schweiz`
Im September letzten Jahres hat Premierminister Carney den Staat Palästina offiziell anerkannt, zusammen mit Grossbritannien und Australien. Die Schweiz ist die Heimat der Genfer Konventionen, aber auch von Würenlingen, aber vor allem das Land, das in den 1970er Jahren mit der PLO verhandelte.
Ja, Ed Sheeran hat sich dem Ultimatum stillschweigend gebeugt.
Seine Mitmusiker nicht.
Hat Ed sein Schweigen versilbert?
Ich weiss es nicht.



