Schalt mal in den Müssiggang.
Bitte was und wie? Müssiggang ist doch dieses Nichtstun, die des Teufels ist?
Und wie kann ich hier einfach runterschalten, wenn ständig ein paar Laster den Anfang der Strasse versperren? Na, soll ich immer noch in diesen Müssiggang schalten?
Jaahaaa!
Und nein, ich finde nicht, dass der Gang in die Musse des Teufels Ruhebank ist, oder dass das süsse Nichtstun irgendwelche Laster begünstigt. Der Mythos der stets harten, intensiven und rasant gewordenen Arbeit hängt noch immer präsent in den Köpfen herum. Wer nicht arbeitet, macht sich verdächtig. Oder wird zumindest verabscheuungswürdig, weil der Nichtstuer die Wirtschaft beschädigt und die Gesellschaft mit der Süsse der Musse zersetzt.
Der Müssiggang hat eine Schwester und die hört sich süss und melodiös an: Dolcefarniente. Eben das süsse Nichtstun mit lateinichen Wurzeln. Natürlich müssen zum Wohle der Gesellschaft Arbeiten übernommen und erledigt werden. Es geht hier aber nicht um «Wenn alle Müssiggänger werden würden» Tun sie aber nicht. Menschen arbeiten nicht aus - oder nicht nur - aus Zwang, um die Familie oder wenigstens sich selbst zu ernähren, Miete zu bezahlen, Versicherungen abzuschliessen und eventuell in die Ferien zu fahren. Arbeit gibt dem Homo Sapiens etwas Struktur in den Tagesablauf und hoffentlich die befriedigende Einsicht: «Meine Arbeit macht Sinn.»
Die Müssiggänger werden zu denselbigen freiwillig, dann haben sie sich bewusst dazu entschieden. Diese Freiwilligen Herunterschaltenden wissen durchaus, dass das Nichtmehr oder das Wenigerarbeiten mit Konsequenzen ausgestattet ist. Das Geld fliesst weniger oder gar nicht mehr. Der Wohlstand ist nicht mehr garantiert. Und der tägliche Bedarf gehört nicht mehr zum Standart.
Das freiwillige Wählen des Müssiggängertums hat irgendjemanden beim Nachdenken auf der blumigen Wiese im Schatten eines Baumes dazu bewogen, einen Gedanken laut auszusprechen. Dieses Wesen der menschlichen Gattung meinte - lakonisch oder enthusiastisch - «Weniger ist Mehr».
Wie meinen? Wenn ich weniger habe oder bekomme, dann vermehrt sich was genau? Nun, beim genaueren Hinsehen auf den seltsamen und physikalisch ungeprüften kurzen Satz tauchen viele Fragen auf. Wie soll das denn funktionieren?
Spontan gilt diese Regel - wenn sie denn eine ist - für einige Dinge durchaus logisch. Wer sich weniger ärgert, hat mehr vom Leben. Wer weniger isst, ist schlanker. Aber ich denke, damit war der Satz im Original nicht ge- und durchdacht. Oder?
Natürlich gilt die Aussage in Richtung der gehetzten Gesellschaft, die durch die Arbeit durch den Tag gehetzt wird. Oder vielleicht war dies auch ein Protestausruf in die weiter oben angesiedete Richtung der extrem Wohlhabenden. Na dann schauen wir doch Mal, was bei diesem Weniger an Materiellem das Mehr bedeuten mag.
Im Wort Müssiggang steckt das Wort «Musse», was nichts mit Musse au Chocolat zu tun hat. Musse installieren, um die Zeit des eigenen Existierens intensiver zu gestalten - das hat wirklich was. Herunterschalten auf dem Highway und die Ausfahrt nach Müssighausen nehmen - da kommt leichte Freude auf. «Ich muss nicht mehr. Ich hab Musse.»
Ist das nun das Leben in der Hängematte, also das Herumhängen in Parks und Kaffeehäusern? Das meditative Sein am Montagmorgen, wenn rundherum Menschen in die Büros hetzen?
Hmm, wenn das nun des Teufels Ruhebank sein soll, dann nehme ich da gerne Platz. Und komme zur Besinnung, weil das Tempo des Lebens sich dem Ruhepuls anpasst. Das Gehirn atmett erleichtert auf und leistet sich ein paar lockere und grenzüberschreitende Gedanken. Die Müssiggänger im Gedankengang sind der Anfang aller - ja - des Kreativen.
Visionen und Bilder ohne Vergangenheit sind scheu, wenn sie gehetzt werden. Sie tauchen aus dem Untergrund auf, wenn sie sich frei bewegen können und ihnen keine Schere und keine Barrieren den Weg versperren.
Und eben dieser Müssiggang soll mit Faulheit zu tun haben? Ich denke, also bin ich anderer Meinung. Die wunderbare Leichtigkeit des Langsamseins ist verlockend.
Fazit: Hetze im Leben und gegen anderes Leben hat hier nichts zu suchen.


