R.U.P.T.
Vier Buchstaben und fünf Fragezeichen stehen im Raum. Kürzel sind ein beliebter Sport, um viele Worte in eine griffige Abkürzung zu packen.
BMW steht nicht für «Bob Marley & the Wailers», sondern für Bayerische Motorenwerke. IBM nicht für «Ich bin Maschinell» tätig — sondern für International Business Machines. Gleiche Buchstaben, völlig andere Welt. IBM ist nicht «Ich bin Maschinell» berufstätig, sondern «International Business Machines». Aha. Wer macht sich über die Kürzel hinaus noch Gedanken, was diese Buchstaben im Einzelnen bedeuten? Ich meine, ausser mir?
Also kaum jemand.
Abkürzungen des Lebens sind zur Gewohnheit geworden. Bei «etc» oder «LOL» steht das Kürzel alleine und zwar fraglos. Warum werden Abkürzungen im Sprachgebrauch überhaupt verwendet? Ah ja, die Zeit soll gespart werden und damals bei SMS die begrenzte Anzahl an Zeichen besser ausgenutzt werden. Das ergibt durchaus Sinn.
Doch wofür steht dieses R.U.P.T. im Titel? Dieses Kürzel habe ich bisher noch nie gesehen. «Reiche Unabhängige Patriarchen mit Totalitärvision»? Nein, da sind wir zum Glück nicht angekommen. Noch nicht.
Nun, das ist gar keine Abkürzung für irgendwas, aber das «rupt» hat sich immer wieder negativ bemerkbar gemacht. Im Sprachgebrauch der Nachrichten und in Gesprächen leuchten die vier Buchstaben deutlich im Wörtersalat. Meistens melden sie sich ziemlich abrupt und springen mir ins Auge. Ins Linke. Und dann hängen sie sich an das Ende von Wörtern und geben ihnen damit eine andere Bedeutung. Der Satz erfährt ein Interrupt, also einen Unterbruch im sonst angenehmen Wortfluss. Nervig, aber das ist halt so. Doch am Häufigsten taucht rupt im Begriff «korrupt» auf. Sehr häufig sogar.
K.O.R.R.U.P.T.
Und wieder hat ein Wort wie dieses eine lateinische Vergangenheit. Diese inzwischen leise verstorbene Sprache hat noch immer eine langanhaltende Wirkung. Sie ist aus Medizin und Wissenschaft nicht wegzudenken. Die Lateiner im römischen Reich nannten etwas oder jemanden «corrumpere», wenn es um Bestechung ging. Ach, Messerbestechung? Oder war damit lediglich die reguläre, machtmissbräuchliche Bestechung gemeint?
Eigentlich geht es da um den alten und als ausgestorbenen geltenden Brauch des Tauschhandels. Vor der Erfindung des Geldes und des Geldungsdrangs war das Tauschen von Waren und Diensten die einzige Möglichkeit, den Handel in Schwung zu halten. Das grundsätzliche Prinzip des Tauschens ist nach wie vor ein Teil unserer Kultur. Der einzige Unterschied des Tauschhandels der Antike zu heute ist, dass der Tausch unter dem Tisch und im Nebenzimmer über die Bühne geht. Die Öffentlichkeit mag es nämlich nicht so sehr, wenn Politiker dicke, gut gefüllte Umschläge in die Hand gedrückt bekommen. Ja, das funktioniert auch bei dicken Politikern, die gut gefüllte Umschläge… Und dann läuft es mit der Baugenehmigung.
Oha, da meldet sich der alte Lateiner wieder. Er sagt, dass der Begriff «corrumpere» noch viel bessere Bedeutungen im Köfferchen hat. Dort sind Begriffe wie «Verderbtheit» und «Verfall» zu finden. Bestechung ist das Symptom. Verfall ist die Krankheit.
Nein, die Korruption ist kein Kavaliersdelikt. Es kann gut und gerne zum Verdikt, also zum Urteil werden. Dann ist die Welt morgens um Sieben wieder unbestechlich in Ordnung.
R.U.P.T.



