TIFF läuft los. Ab September läuft der neue Dokumentarfilm über Terry Fox.
Bevor ich mich vor zehn Jahren in Kanada endgültig niederliess, hörte und las ich von diesem Mann namens Terry Fox. Jedes Jahr im September wurde in ganz Kanada der Terry Fox Run durchgeführt, der für seine Stiftung für Krebsforschung Spenden sammelte. Wer war dieser Mann, der all diese Qualen auf sich nahm, um täglich einen Marathon über 42 Kilometer quer durch Kanada zu laufen?
Terry klagte nach einem Autounfall im November 1976 über Knieschmerzen. Ein Jahr später die Diagnose: Krebs. Sein rechtes Bein wurde über dem Knie amputiert. Noch im Spital soll die Idee für den langen Lauf quer durch Kanada in Terrys Kopf entstanden sein. Die Idee war simpel: Terry läuft quer durch Kanada und sammelt Geld für die Krebsforschung. Mit nur einem gesunden Bein.
«Irgendwo muss der Schmerz aufhören.» (Somewhere the hurting must stop!) war ein Satz, der zum Motto von Terrys Projekt wurde.
Ganze 18 Monate trainierte Terry täglich und schaffte 5000 Kilometer als Vorbereitung. Er holte sich bereits Sponsoren wie Imperial Oil, Adidas und Ford. Terry entwickelte seinen Laufstil, um voranzukommen. Zwei Hopser auf dem gesunden Bein und dann die Prothese belasten. Der Beinstumpf war dennoch oft blutig und wund.
Am 12. April 1980 tauchte Terry in St. John’s seine Prothese in den Atlantik und füllte eine Flasche Meerwasser ab. Die wollte er in den Pazifik an der Westküste leeren. So wird ein grosses Ziel in eine einzige Flasche gepackt. Dann begann der Alltag seines grossen Laufs, des Terry Fox Run.
Noch vor der Dämmerung wollte er 42 Kilometer laufen. Jeden einzelnen Tag. Er kämpfte mit Frühlingsstürmen im Osten, mit glühender Hitze durch Ontario und natürlich mit immensen Schmerzen. Am 6. Mai in Port aux Basques hatte Terry bereits 10’000 Dollar gesammelt, etwa ein Dollar pro Einwohner. Damit wurde die Formel «ein Dollar pro Kanadier» geschaffen. In den Atlantikprovinzen und Québec wurde Terry und sein grosser Lauf kaum beachtet und generierte wenig Spenden. Doch als er die Provinz Ontario erreichte, da änderte sich die Sache zu seinen Gunsten. Eine Polizeieskorte begleitete ihn und er traf den damaligen Premierminister Pierre Elliott Trudeau. Zudem widmete die Zeitung Toronto Star eine wöchentliche Kolumne über Terry Fox und seinen Lauf.
Wie schaffte es Terry, trotz der widrigen Umstände mit Wetter und Schmerzen, dass er nie aufgeben wollte? Die Mischung aus Mut, Ausdauer und vor allem Sturheit war wahrscheinlich die treibende Kraft. Doch diese Leistungen forderten ihren Tribut an Terrys Gesundheit. Schwindelanfälle, Hustenanfälle, Tage, an denen er kaum stehen konnte. Terry lief trotzdem. Einen Marathon täglich. Einen Marathon täglich.
Am 1. September 1980 Nach 5’373 km kurz vor Thunder Bay meldete sich das Ende von Terry’s Lauf: Lungenkrebs. Im Februar 1981 machte Terry das Motto «Ein Dollar pro Kanadier» zum Fakt. Er sammelte 24 Millionen Dollar, was exakt der Bevölkerungszahl von damals entsprach. Geografisch hat er sein Ziel nie erreicht. Im Spendenkonto schon.
Terry starb am 28. Juni 1981 in New Westminster, einen Monat vor seinem 23. Geburtstag.
Terry wurde zum jüngsten Companion of the Order of Canada und zum Gewinner der Lou Marsh Trophy 1980 gewählt.
Heute wird ein Dokumentarfilm über die kanadische Legende Terry Fox am TIFF, dem Toronto International Film Festival dem Publikum vorgestellt. Darin soll vor allem der Mensch Terry Fox mit vielen originalen Kommentaren Terrys vorgestellt werden.
Morgen Sonntag findet der alljährliche Terry Fox Run in ganz Kanada statt. Morgens um 8 streife ich mir mein «FINISH IT!»-T-Shirt über und werde mit vielen Tausenden von Kanadiern den Terry Fox Run 2026 laufen. Spende inklusive.
«Irgendwo muss der Schmerz aufhören.» Terry’s Geschichte geht weiter.
Photo: Glenn Roger Photography



