(R)evolution.
Heute am 30. Juni vor 166 Jahren wurde debattiert. An der Oxford Universität war das Thema Charles Darwin und seine Evolutions-Theorie.
Sieben Monate zuvor hatte er sein Buch “Über die Entstehung der Arten” in die Welt geworfen.
Seltsamerweise fanden die damaligen Zeitgenossen die Vorstellung, dass der Homo Sapiens irgendeine Verwandtschaft mit den Affen habe, erstens eine Zumutung und zweites gelebte Blasphemie.
An diesem Abend standen sich diese Debattierer gegenüber. Der Biologe Richard Owen und der Bischof Samuel Wilberforce standen gegen die Evolutionstheorie — lautstark, überzeugt, kämpferisch. Auf der evolutionsfreundlichen Seite standen der Mathematiker und Priester Baden Powell und die Wissenschaftler Joseph Dalton Hooker und Thomas Henry Huxley. Huxley war einer der glühendsten Verfechter der Theorie und wurde deshalb “Darwin’s Bulldogge” genannt.
Der Saal war überfüllt. Der Saal war überfüllt, die Luft geladen.
Der Bischof spricht seit zwanzig Minuten. Irgendwo im Saal kippt Lady Brewster vom Stuhl. Ohnmacht. Ob vor Empörung oder Erschöpfung — überliefert ist nur der Fall. Wilberforce fragt Huxley, ob der Affe auf der mütterlichen oder väterlichen Seite sitze. Gelächter. Der Bischof weiss, wie man eine Pointe platziert. Huxley’s Antwort: Ich schäme mich nicht, einen Affen als Vorfahren zu haben, wohl aber einen Menschen, der seine Talente missbrauche, um die Wahrheit zu verschleiern.
Darwin, der stille Beobachter, hatte ins Schwarze getroffen., denn seine erstmal theoretischen Überlegungen werden immer wieder bestätigt. Was als Theorie begann, hat sich in den Knochen der Wissenschaft festgesetzt.
Darwin war sehr mutig, seine Theorien in Buchform der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Kirche war mächtig, und ihre Vertreter nannten Darwins Buch ein Pamphlet gegen Gottes Wort. Die Zeit hat die schärfsten Klingen stumpf gemacht. Sogar der Papst ist grundsätzlich mit Darwin’s Evolutionstheorie einverstanden. Das hingegen passt den sogenannten Kreationisten nicht in den Kram. Sie sind überzeugt, dass die Erde am 23. Oktober 4004 - ja, vor Christi Geburt - gemacht, also kreiert wurde. Und zwar von einem allmächtigen Gott oder Kreator.
Diese Glaubenstheorie des Kreationismus hat im Bundesstaat Ohio, USA, zu einem Kreationisten-Museum geführt. Dort sollen unter anderem etwa 70 Modelle von Dinosauriern stehen mit dem Hinweis, dass Gott die Dinos wie alle anderen Tiere am sechsten Tag der Schöpfung gestaltet habe.
Und dann haben wir die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Ein stiller Beobachter, der Zusammenhänge in Skizzen und Worten plausibel erläutert hat. Wem vertrauen? Den Geschichten, die man glauben muss — oder den Schlüssen, die sich aus dem Schauen ergeben?
Beobachten und Folgern: Wissenschaft.
Glauben und Folgen: Religon.
“Nun steh ich da, ich armer Tor...” — Faust, nicht Darwin.
Aber vielleicht wäre auch Darwin auf diesen Satz gekommen.
George Richmond - From Origins, Richard Leakey and Roger Lewin



