Die beiden kannten sich wahrscheinlich noch gar nicht, bevor sich die Römer mit ihrem Weltreich darum kümmerten.
Die alten Römer waren nicht zwingend reich, aber sie hatten sogar eines. Das römische Reich «erfand» das Wort «proficere» und dieses war durch und durch mit dem damals noch quicklebendigen Latein versetzt. Diese römische Bezeichnung wurde mit positiven Eigenschaften ausgestattet. Damals. Mit proficere war das Vorwärtskommen und das Nützlichsein gemeint. Und natürlich dabei Fortschritte machen. Schritt um Schritt. Nun, die Römischen und ihr Reich zeigten der Welt, was sie in der Realität mit proficere meinten.
Dann kamen die Altfranzosen auf den Plan. Diese heissen so, weil, wie die damaligen Römer, die meisten dieser Menschen nicht mehr am Leben sind. Wie stets mussten die Franzosen alles in ihre eigene Sprache umbiegen. Also zerschnitten sie das proficere und machten ein schnittiges und einprägsames Wort daraus: Profit. Das in Französisch Kleingeschriebenes meinte damit schlicht und einfach Gewinn und Nutzen. Et voila.
Und was haben die Mitteldeutschen damit gemacht, als sie mit den Mittelniederländern diskutierten?
Nun, nicht wirklich viel. Da die Mitteldeutschen damals schon ungern mit den Franzosen redeten, wandten sie sich an die Mittelniederländer. Die hatten immerhin eine Sprache anzubieten, die wenigstens im Ansatz ein paar deutsch klingende Laute im Gepäck hatte. Also importierten sie das Wort Profit aus Amsterdam und nicht aus Paris.
Eine ähliche Geschichte ereignete sich in den Siebziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts, als Deutsche einige Substanzen aus den Niederlanden importierten. Diese hatten ziemlich sicher auch mit Profit und Plaisir zu tun.
Doch die alte Frage steht noch immer im Raum: Was tat der Begriff, als er noch nicht als Einheit in der Sprachgeschichte auftauchte, sondern als Pro und Fit durch die Rhetorik wanderte?
Mit Pro wird üblicherweise entweder etwas Zustimmendes erwartet und falls nicht, dann ist damit die Professionalität gemeint. Und Profession steht für den Beruf oder die Berufung, etwas Nützliches zu tun. Und damit das Essen auf den Tisch und dem Tisch ein Haus zu ermöglichen. Im Prinzip eine einfache Geschichte.
Wer professionell als Attribut mit sich führt, wird als Mitglied von Fachleuten angesehen. Was in der realen Welt auch für Ansehen sorgt. Pfuscher ist auch eine Disziplin, hat aber selten eine langfristige Zukunft erreicht.
Fit? Damals noch vor dem Römern war das Fitsein keine Industrie und schon gar kein Thema. Die Leute wanderten durch die Gegend. Teils aus Mangel an eigenem Land und etwelchen Häusern. Die Menschen damals waren Jäger und Sammler, aber Häuser gehörten damals noch nicht dazu. Die Behausung war noch nicht erfunden worden.
Ergo war Fit kein Thema, sondern eine tägliche Routine. Wer viel wandert, jagt und manchmal flüchtet, der wird automatisch fit. Oder gefressen.
Macht das Ganze langsam Sinn, wie sich die beiden Wörter attraktiv fanden und sich vereinigten? Ich denke schon.
Pro sichtet Fit am Horizont und denkt sich: staune. Welch eine Erscheinung, ganz ohne Fett und Pölsterchen. Welch tolle Erscheinung ganz ohne Fett und Pölsterchen. Ein durchtrainiertes kurzes Wort mit kräftiger Ausstrahlung. Was denkt sich Fit beim Anblick von Pro? Staune. Welch ein Typ, der immer vorwärtskommt und für Essen sorgt. Den will ich behalten.
Und siehe da, Profit hatte eine goldene Zukunft in der Welt der Menschheitsgeschichte.
Alles Pro, alles Fit?
Im Prinzip: ja. Alles professionell und kräftig fit, um den Schwierigkeiten der Welt zu begegnen und zu handeln.
Doch dann kamen entweder die Römer oder die Griechen um die Ecke und warfen einen neuen Begriff auf den Rhetorikmarkt: Gier.
Sorry.



