Die wirklichen Barrieren waren anderer Art.
In den letzten Stunden vor der Deadline für die Handels-Gespräche landeten neue Forderungen der US Verhandelnden auf dem Tisch. Und diese hatten es wirklich in sich, denn sie lasen sich wie eine Erpressungsliste, nicht wie ein Handelsangebot. Premierminister Mark Carney brach die Verhandlungen ab und bestellte sein Verhandlungsteam nach Ottawa zurück.
Elbows are Up again.
Was war wirklich passiert, dass der kanadische Premierminister diesen drastischen Abgang beschloss?
Die US-Version: Handelsvertreter Jameson Greer wirft Kanada vor, vereinbarte Bedingungen einfach über Bord geworfen zu haben.
Die kanadische Version klingt anders.
Die USA warfen zusätzliche Bedingungen mit Einschränkungen für Kanada im letzten Moment auf den Verhandlungstisch. Und der Satz von PM Mark Carney «Lieber kein Deal, als ein schlechter Deal.» lag gleich daneben auf dem Tisch.
Was um Himmelswillen forderten die US Verhandler von Kanada?
Nur ein paar Kleinigkeiten, meinten diese.
Kanada dürfe keine Handelsverträge mit anderen Ländern als der USA abschliessen. Mark Carney hat im vergangenen Jahr über zwanzig neue Handels- und Sicherheitspartnerschaften mit anderen Nationen abgeschlossen.
Kanada solle Kompromisse beim Schutz der französischen Sprache und deren Kultur eingehen. Kompromisse in der Beziehung zur Souveränität von Québec und der Frankophonen Identität? Non, merci.
Noch was?
Ach ja, Kanada solle in den 51. Bundesstaat der USA umgewandelt werden.
Und deshalb brach Premierminister Carney die Verhandlungen ab?
Ja. Und damit sind die USA und Kanada offiziell im Handelskrieg.
Der aktuelle amerikanischen Präsident drohte vor einem Monat mit 50 % Zöllen auf die meisten kanadischen Waren. Das ist eine Doppelpackung an Strafen für die kanadischen Lieferanten einerseits und die amerikanischen Konsumenten andererseits. Diese neuen Zölle verletzen das seit der ersten Amtszeit vom damaligen 45. Präsidenten der USA verhandelten CUSMA Abkommens. Ein Handelsvertrag zwischen Kanada, den USA und Mexiko.
Am 1. Juli lehnten die USA die Verlängerung ab — ohne weitere Erklärung. Dieser Vertrag läuft bis Ende 2036, kann aber von jedem der drei Ländern innert sechs Monaten aufgekündigt werden. Mit der neuen Zolldrohung von 50 % verletzen die USA die Schutzbestimmungen eben dieses Vertrages.
Dieses Spiel von Strafzöllen für Kanada und auch den Rest der Welt der USA läuft seit geraumer Zeit. Kanada hat auf teilweise haarig wirkende Begründungen für die Strafzölle reagiert. Da waren Dinge wie mehr Grenzsicherheit wegen Fentanyl-Schmuggels aus Kanada in die USA. Die von Kanada geplante Digitalsteuer für US-Tech-Giganten wurde zurückgezogen und viele andere Zugeständnisse wurden von Kanada akzeptiert. Gebracht hat es wenig: mal ein bisschen Nachlass, mal gar nichts — je nach Laune im Weissen Haus.
Seit der US Präsident diese Strafzölle an Kanada verhängt hat, wurde vor allem die kanadische Bevölkerung aktiv. Kanadier werden selten laut. Diesmal schon — und die Zahlen zeigen es. Zum Beispiel haben ganze 42 % der Kanadier auf Reisen in die USA verzichtet. Dafür stiegen die Reisen innerhalb von Kanada um 5.1 Millionen Besuche an. Der Import an US Alkohol nach Kanada fiel um satte 81 % und andere US Produkte mit dem Label «Made in USA» werden von Konsumenten made in Canada tunlichst gemieden.
Und was wird Kanada nun tun, um die 50 % Strafzölle der USA zu kontern?
Schritt um Schritt und Dollar um Dollar werden dieselben Strafzölle auf US Waren erhoben. Die Provinzen werden weiterhin keinen US Alkohol in die Läden bringen. Mark Carney stoppt alle weiteren Handelsgespräche mit den aktuellen US-Forderungen. Und Kanada wird weiterhin den Zugang zu den Märkten in der EU und in Asien vorantreiben.
Die Zeiten in Kanada werden für viele Firmen nicht nur eine Herausforderung, sondern auch zu Entlassungen und allenfalls Konkursen führen.
Das Leben in Kanada wird noch teurer.
Und trotzdem: Man spürt eine Art Maple Stolz — dem Bully nicht klein beigegeben zu haben.
Oder wie es Wab Kinew, der Premier von Manitoba so treffend sagte:
«Du kannst keinen guten Deal mit einem schlechten Menschen machen.»



