Motive.
Motive sind die Gründe, um sich zu bewegen. Das weiss die Lokomotive genauso gut, wie der Politiker mit Wahlversprechen. Oder der Künstler beim Blick auf das Bild, die Skulptur, den Text oder den Song
«Was ist das Motiv?»
Selten wird gefragt, ob ein Motiv an der Tat, der Entscheidung oder der Handlung beteiligt war. Sobald sich jemand bewegt und etwas tut, wird automatisch nach dem Motiv gefragt.
«Das Motiv des Täters ist unklar.» Nun, für den oder die Täter wahrscheinlich weniger, denn die haben sich ja zu einer Tat hinreissen lassen. Die meisten Täter sind ziemlich sicher höchst motiviert, sich dem Hinreissen hinzugeben.
Manchmal frage ich mich am nächsten Morgen: «Was hast du dir nur dabei gedacht?» Reflexartig gebe ich einem der Millionen von Motiven die Schuld. Schliesslich bin ich nicht alleine auf diese Idee gekommen. Da waren zumindest ein Stück Kreativität, eine Prise Dummheit und eine grosse Portion Motivation beteiligt. Sonst hätte ich die Sache liegenlassen.
Ist das Motiv an sich dermassen mächtig? Ich denke schon. Ein Motiv allein macht noch keine Tat, noch kein Kunstwerk und noch keine Leistung an sich. Ein Motiv muss sich kristallisieren, also aus dem Wust an Gründen, Fragen, Argumenten und Widersprüchen zuerst mal bilden können. Schliesslich soll vor dem eigentlich Akt ein Satz stehen, der als Motiv an die Wand gesprayt werden könnte.
Das eigentliche Motiv versteckt sich oft und gerne in einem Begriff. Was soll ich unter einem Leitmotiv - oder Leidmotiv - verstehen? Ist es etwa das Motiv selbst, das den freien Menschen leitet? Wohl kaum. Das gilt eher für das Tatmotiv. Irgendwann kam jemand auf die Schlussfolgerung und damit zum Motiv, eine illegale Tat umzusetzen. Im künstlerischen Bereich wird das Motiv klarer. Es steht oder liegt ja meistens im Zentrum der künstlerischen Motivation als Bildmotiv. Manchmal tönt das Motiv als Anfang einer Melodie. Beispiel? Nun, der alte Beethoven hat es mathematisch gezeigt. In seiner Fünften stehen vier Noten als Anfang. Und trotzdem ging die Rechnung auf.
Ach, jetzt sehe ich den Beweggrund - als Bildmotiv quasi. Im Wort «motiv» steckt «movere» als Wurzel mit im Spiel. Ich bewege mich, weil ich motiviert bin. Motiv ist der Motor des Geschehens.
Na also. Geht doch.
Mich interessiert brennend, was dich bewegt, wenn sich ein Motiv bemerkbar macht.
Wie, demotiviert?
Was ist das denn nun schon wieder? Oh ja, das kenne ich nur zu gut. Wer sich mit Ideen, Visionen und dann mit Plänen herumschlägt, dem schlägt oft auch die Keule der Demotivation um die Ohren.
Wer hat sich denn diese Idee ausgedacht? Wieso soll ich irgendjemanden demotivieren? Gut, einen Täter auf dem Weg zum tatsächlich geplanten Verbrechen davon abzuhalten, ergo zu demotivieren, das macht Sinn.
Durch reine Klugscheisserei allfällig motivierte Menschen in ihrem Vorhaben zu demotivieren? Warum?
In meiner Sturm- und Drangzeit war meine Motivation das Schreiben. Mich mit der Welt und ihren Geschichten zu befassen, mich in eine Story-Idee zu vertiefen und sie dann zu schreiben, das war und ist schwitzende Glückseligkeit. Natürlich sah ich mich als Autor, der jährlich ein Buch schreibt und davon leben kann.
Dann kam die Geschichte mit der Demotivation um die Ecke gekeucht. “Fast niemand kann vom Schreiben leben, Christian. Lerne was Vernünftiges.»
Nein, ich habe nie mit dem Schreiben aufgehört. Wieso auch? Das Motiv des Erzählens mit sechsundzwanzig Buchstaben ist zu stark.
Ja, es hat gedauert, bis ich vom Schreiben leben konnte.
Dem Motiv ist es egal, wie lange etwas dauert, denn die Motivation ist nicht an die Zeit gebunden. Sondern an die Bewegung meiner zehn Finger und etwas Hirnschmalz.
Hören. Sehen. Reden.
Ich höre zu. Ich schaue zu. Und ich schreibe dazu.



