Lobby ist kein Hobby.
Lobbyisten sind Leute, die im Vorzimmer von Politikern und sonstigen einflussreichen Leuten herumlungern. Sie haben eine Mission und vor allem ein Ziel: die Einflussreichen zu erreichen.
Und die Wünsche ihrer Auftraggeber zu vertreten. Lobbyisten sind Vertreter.
Und wer hat’s erfunden? Nein, diesmal sind die Schweizer in ihrem Erfindungsgeist nicht für den Lobbyismus verantwortlich. Der Ursprung allen Lobbyismus ist die Petition und dessen Recht, es auszuüben. Die Idee dahinter war, dass Untertanen ihrem Herrscher eine Bitte vortragen können. So steht es bereits in der Magna Charta von 1215 und im englischen Bill of Rights. Also ist dieses hierarchisch definierte Modell eines Bittstellers ein Grundrecht.
Nun stellt sich der motivierte Historiker natürlich die Frage: Gab es achthundertundelf Jahren bereits sowas wie eine Lobby? Nein, gab es nicht. Oder der Vorhof, das Wartezimmer wurde anders genannt. «Laubia» — lateinisch für Laube. Ein Warteraum unter offenem Dach. Das Wort weiß schon, worum es geht. Der Begriff «Lobby» tauchte erst vor fast zweihundert Jahren in den USA auf. Nicht in Washington — das wäre zu naheliegend gewesen. In Albany, in der Hauptstadt des Bundesstaates New York, tauchte damals von irgendwo und irgendwem der Begriff «lobby agent» auf. Und blieb.
Es gibt eine alte Legende über den Namen Lobbyist. Ulysses S. Grant, ehemaliger Präsident der USA, sei im Foyer des Willard Hotels in Washington beim Geniessen eines Cognacs von Bittstellern belagert worden. Dabei habe Ulysses ausgerufen: «diese verdammten Lobbyisten». Schöne Geschichte, die nur als Legende durchgehen wird.
Die Lobbyisten als Beruf sind nicht auf ein Land begrenzt. Sie sind überall anzutreffen. Dabei gilt die Regelung für den Lobbyisten in Kanada als eher streng abgefasst. Die Regeln in der Schweiz gelten als die laxesten unter den westlichen Demokratien.
Als ich für eine Parlamentarierin hier in Ottawa als Design arbeitete, da war ein Zettel an ihrer Bürotür: «Lobbyisten sind hier nicht erwünscht.»
Gestern veröffentlichte Environmental Defence die jährliche Auswertung des kanadischen Lobbyregisters. Der Bericht dokumentiert die Aktivitäten zwischen Mai 2024 und April 2025. Dabei fielen einigen Journalist:innen auf, wieviele der Öl- und Gaslobbyisten sich im politischen Umfeld bewegten. Mindestens fünf Mal jeden Tag trafen Vertreter der Ölindustrie auf Regierungsvertreter, was 1’318 Hausbesuche ergibt. Premierminister Carney traf 14 Mal auf Öl und Gas Vertreter. Der vorherigen Premierminister Justin Trudeau hat lediglich zwei Besuche derselben Vertreter vorgelassen.
Nun, diese Lobbyisten haben Besuchsrecht, denn so steht es im Gesetz geschrieben. Die höhere Zahl der Aktiven aus Öl und Gas fällt nur etwas auf. Schliesslich stecken wir alle globalisiert in einer sich dramatisch zuspitzenden Klimaveränderung.
Doch das ist noch nicht das Beunruhigende an sich. Laut Environmental Defence hat sich der Energieminister Tim Hodgson 83 Mal mit Lobbyisten aus der Ölbranche getroffen. Doch alle Anfragen von Umweltfachleuten wurden schlichtweg abgelehnt. Soweit die Aussage von Environmental Defence.
Und das wirkt befremdlich. Denn Lobbyisten vertreten Interessen von Firmen und Institutionen und sie sollen bei den Mächtigen der Politik zu Wort kommen. Wenn nur eine Seite Einlass bekommt, ist Lobbyismus kein Recht mehr. Es ist Türsteher-Politik.
Lobby ist kein Hobby. Sondern steht als Recht im Grundgesetz.



