Kollaps Ideologie K.I.?
Wofür steht das Kürzel K.I. wirklich? Ja, künstliche Intelligenz soll die Welt auf den Kopf stellen.
Revolution, Zeitenwende, Menschheitssprung — die Schlagzeilen überbieten sich gerade gegenseitig. KI macht das Leben leichter. KI lässt Menschen über Nacht zum Millionär werden.
Liebe Algorithmen, danke für eure Aufmerksamkeit — ungebeten, präzise, und etwas unheimlich. Kaum suche ich, nein denke ich an ein Wort, werden mir Headlines mit genau diesem Wortlaut auf den Bildschirm gezaubert. In letzter Zeit ist es das Kürzel KI und die damit verbundenen Heilsbringer wie ChatGPT, Claude, Gemini Perplexity und Microsoft Copilot.
Na prima, wie diese neue Idee von künstlicher Intelligenz unser Leben neu gestalten wird.
Neu?
Nein, im Sommer 1958 hat ein gewisser John MCarthy am Dartmouth College in New Hampshire die Gründungsversammlung für künstliche Intelligenz organisiert. Damit wurde die KI als akademisches Fachgebiet eingeführt. Drei Jahre nach meiner Geburt also. Nun, ich finde mich und meine Altersklasse alles andere als neu. Was hat also so lange gedauert, bis die Idee künstlicher Intelligenz an die Oberfläche der Wahrnehmung im 21. Jahrhunderts angekommen ist? Vielleicht war es die begrenzte natürliche Intelligenz, die als Bremsklotz diente? Nein, es ist schlicht und einfach die Wissenschaft, die immer und alles und gleich mehrmals überprüfen, testen, neu denken und wieder neu beginnen als System betreibt. Und das braucht Zeit.
Und heute hängt der Koloss des KI in unseren Bewusstsein herum und lässt uns halluzinieren. «90% deiner Arbeit macht KI für dich.» «KI ersetzt die Marketingabteilung!» Solche und ähnliche Schlagzeilen lassen gestandene Profis vieler Branchen erzittern. Das Schrecklichste daran: dass ausgerechnet Intelligenz — unser letztes Alleinstellungsmerkmal — nun ersetzbar wirkt.
Nun, wie die meisten Trends ist auch die KI von Superlativen getränkt. Und zwar in die Pro und Contra Richtung. «KI ist das Ende der Menschheit.» «Superreich dank KI.» lassen uns erzittern - entweder vor Freude oder vor Angst.
So erstmal zur Beruhigung: Künstliche Intelligenz ist limitiert. Und sie halluziniert, wenn sie nicht mehr weiter weiss. Wer sich schon mal mit einer dieser Applikationen der künstlichen Intelligenz-Garde unterhalten hat, wird sich gewundert haben, wie schnell und erfreulich die Antworten auf dem Bildschirm des Lebens auftauchen. Und wie freundlich die KI stets erklärt, argumentiert und kommentiert. Sie spart nicht mit Komplimenten über die eigene, noch immer natürliche Intelligenz von uns, den Nutzern.
Vorsicht also. Und Skepsis — als Pfeffer, nicht als Paranoia.
Skepsis ist der Pfeffer und Regeln die Erziehung von künstlicher Intelligenz. Denn wie erwähnt: Ihre Kapazitäten sind erstaunlich limitiert. KI braucht Rechenleistung, Gigantische Leistung an bits und bytes, um Resultate zu präsentieren. Künstlich überlegt und natürlich präsentiert.
Was meine ich mit Halluzination? Nun, wenn die KI an Grenzen stösst und keine verlässlichen oder vermeintlich verifzierbaren Daten herankommt, dann läuft sie im Fantasiemodus weiter.
Die KI schaltet nicht ab — sie erfindet weiter. Konsequent. Überzeugend. Falsch.
Nein, ich verdamme die Idee der künstlichen Intelligenz keineswegs. Sie ist nützlich, wenn wir mit der natürlichen Intelligenz den Überblick verlieren, Lösungen nicht erkennen oder zuwenig Argumente für Pro und Kontra zur Verfügung haben. Da kann die KI wirkliche Dienste anbieten. Doch man darf sie nicht sich selbst überlassen.
Ich nutze KI täglich — und zeige lieber, als zu predigen. Zum Frühstück zum Beispiel: mit dem schönen Titel «Die Welt heute». Meine KI App durchsucht meine erstellte Liste an verlässlichen Newsquellen, die aus einigen Medienhäusern, aber vor allem aus unabhängigen freischaffenden echten Journalist:innen besteht. Diese stammen aus Kanada, USA und Europa.
Identische Themen fasst die KI für mich zusammen und zeigt mir die unterschiedlichen Standpunkte oder Gemeinsamkeiten eben dieser Quellen. Statt eines Meinungsechokammers bekomme ich Reibung — und die ist lehrreicher als Konsens. Als kleinen Leckerbissen habe ich ein Warnsignal eingebaut: Die universellen Menschenrechte werden beim Sichten der Nachrichten als Filter genommen und ich sehe jeweils eine Einblendung, wenn eine Nachricht eines oder mehrere dieser Menschenrechte verletzt.
Doch was ich der KI niemals überlassen werde: meine Intelligenz einzulullen, einzuschläfern oder gar zu übertrumpfen. KI ist ein Werkzeug. Kein Ersatz. Ich schreibe. Ich denke. Ich handle.
Ich will keine Kollaps Ideologie in meinem Leben.
Künstliche Intelligenz übernimmt keine Verantwortung.
Die bleibt bei mir — warm, fehlbar, und meistens wach.



