Es wurde ja mal Zeit, dass die natürliche Intelligenz etwas Konkurrenz erhält.
Und siehe da: Knopf drücken, Text kommt, Welt gerettet.
Fast.
Die Künstlichkeit der Intelligenz erleichtert uns vom mühsamen, kopfschmerzenden Denkprozess. Der Prozess wird uns jetzt künstlich gemacht. Hurrah!
Vergiss das spontan hinausposante «Hurrah». Das war voreilig und falsch. Denn was sich hier mit dem schmeichelnden Namen «künstliche Intelligenz» schmückt, war niemals das Resultat wissenschaftlicher Untersuchung. Nein, das war ein Marketing-Trick von John McCarthy, um Gelder für seine Sommerstudie über «Maschinenintelligenz auf Menschenniveau» zu ergattern.
Und das tat er ein paar Tage vor meiner Geburt im Jahre 1955.
Was, soooo alt ist die künstliche Intelligenz als Idee?
Und was ist mit der Intelligenz mit künstlichen Zutaten schlussendlich passiert? Kommt da noch was, oder ist das alles nur fauler Zauber?
Nicht so schnell, mein tippender Freund.
Gehen wir mal die Reihenfolge langsam und beobachtend durch.
Und nennen hier ein paar Namen, um das Erlebnis zu vertiefen.
«Hey Siri, was ist der Sinn des Lebens?»
«Alexa, spiel mir das Lied vom Tod.»
«I’ll be back!»
Oh ja, das sind alles Fragmente von künstlicher Imitation und hat spärlich wenig an Intelligenz zu bieten. Sorry.
Alle diese Tools - ausser Terminator namens Arnold Schwarzenegger - haben lediglich Situationen der menschlichen Kommunikation mit Aktivitis imitiert.
Und tun es heute noch.
In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde zuerst mal versucht, den menschlichen beweglichen Körper nachzubauen. Der Roboter lernte laufen, greifen, wiederholen — und übernahm ganze Fliessbänder.
Danach war das Gehirn als Denkapparat für die Imitation fällig.
Damit sollte der Begriff «künstliche Intelligenz» der Realität des Denkens näher kommen.
Na dann, viel Glück damit.
Ich erinnere mich an die Schachsoftware namens Deep Blue, die Kasparow, den absoluten Schachweltmeister so nebenbei aus dem Rennen schlägt.
War das nun bereits eine tiefblaue künstliche Intelligenz oder reine Nachahmung mit unerwarteten Schachzügen?
Oder war es lediglich eine symbolische Einzelleistung?
Der Anspruch der Wissenschaft war immer noch, das Gehirn selbst möglichst genau nachzubauen.
Eine generische Version unseres Denkapparats für den täglichen Gebrauch ausserhalb unserer Köpfe. Nun, das Internet als Plattform der unerschöpflichen Daten gab schliesslich den Startschuss für die sogenannten LLMs.
LLM steht für Large Language Model, also das grosse Sprachmodell. Das ist die Technik hinter ChatGPT, Gemini, Claude und Co.
LLM ist der riesige Schwamm, der sich Inhalte aus Büchern, Websites, Code und Foren holt. Die Anweisung zum Training ist banal. Sag das nächste Wort voraus. Wer bei der Suche im Google mit dem Tippen des Wortes beginnt, kennt diese teilweise nervigen Wahrscheinlichkeiten.
Hat Google etwa verstanden oder nur vermutet, was ich suchen will?
Die KI, als künstliche Imitation hat dennoch Überraschendes im Gepäck.
Weil die KI Software das nächste Wort in praktisch allem Geschriebenen gut vorhersagen will, muss es nebenbei Grammatik, Fakten, Argumentationsmuster, Kommunikationsstil und ein wenig Weltwissen aufsaugen. Was die meisten Tools unter dem Banner von KI ja auch fleissig tun.
Gilt das nun bereits als «Verstehen» oder ist es lediglich eine sehr gute Nachahmung?
GPT heisst Generative Pre-trained Transformer, also generativ erzeugter Text.
Wer nun meint, dass die LLM eine riesige Datenbank ist, den muss ich enttäuschen. Ist sie nicht. Sie speichert keine Texte, nur Muster. Und diese Verkaufsmuster lassen die KI munter plaudern und konforme Sätze formulieren. Und als Krönung des Prozesses erfindet KI alternative Fakten.
Zudem lernt die Künstliche Imitation aus dem laufenden Gespräch mit der gegenüberliegenden menschlichen Spezies und friert damit das Wissen während dieses Trainings ein.
Wir Menschen trainieren den künstlichen Hund.
Und derselbe Hund befreit uns vom mühsamen Selbstdenken.
Was mich als Storyteller und Worterfinder immer wieder erfreut: KI ist weder kreativ noch humorvoll.
Also Leute: das Denken, Reden, Schreiben und Handeln ist noch immer Sache der menschlichen Spezies.
Also von uns Homo Sapienser:innen.
Wer will schon diese Wichtigkeiten einem Imitator überlassen.
Na also.



