Es ist wieder Grippezeit, mit Grippenspiel. Und mit dem Angebot, sich gegen das Gegrippen-Husten impfen zu lassen. Die Nadel im Heuhaufen ist gefunden. In Newmarket wird diese stichhaltige Prozedur einfach zwischen Hustensirup und Schmerztabletten verabreicht. Ärmel hoch, Nadel rein. Fertig. In Basel braucht es erst einen Termin, bevor die Nadel ihren Dienst tun kann.
Lange Zeit hatte ich eine eher widersprüchliche Beziehung zur Nadel. Immerhin wird da ein direkter Stich in mein Leben praktiziert, sprich in meinen Körper. Wir Männer, und speziell Hippies, sind nicht ganz unempfindlich gegen spitze Dinger, die sich in die Haut bohren. Es braucht Mut, eine Prise Ignoranz und ein Pokergesicht für die Umstehenden.
«In Flu Enza we trust» könnte der Umgangston im kanadischen Englisch heissen. Schliesslich soll der Impfstoff gegen einen schweren Verlauf helfen. Die Ansteckung verhindert er nicht immer. Aber wer sich zwei Wochen nach dem Einstich bei Babys, Betagten oder Chronischkranken blicken lässt, schützt Menschen, die sich selbst nicht impfen lassen können. Na sieh mal an.
Jedes Jahr derselbe Impfstoff? Oh nein. Er erfährt jedes Jahr Updates, die sich an die aktuell zirkulierenden Grippestämme anpassen. Der Blick zurück auf die Winter mit Grippeimpfung zeigt, wie entlastet das Gesundheitswesen ist, wenn weniger Grippeanfällige unterwegs sind. Zudem haben diese impfigen Stoffe ein paar Jahrzehnte Erfahrung im Rucksack und zeigen selten schwere Nebenwirkungen.
Wo gespritzt wird, gibt es Argumente. Die Ansichten zur Grippeimpfung sind gemischt, und die Gegenargumente kommen prompt. Die Wirkung wird oft angezweifelt, weil sie über die Jahre schwankt. Manchmal schützt sie deutlich, in anderer Saison eher weniger. Der Schutz lässt mit der Zeit nach. Ja, doch die Spritze ist kein Dauerabo, sondern eine Saisonkarte.
Oh ja, manchmal schmerzt der Arm tagelang, nachdem die Nadel ihren Dienst getan hat. Manchmal begleiten Fieber und eine müde Konstitution den Eingriff. Der volle Schutz lässt etwa zwei Wochen auf sich warten. Wahrscheinlich muss sich der Impfstoff beim Immunsystem anmelden und auf die Zulassung warten. Allergische Reaktionen gibt es auch, aber extrem selten. Hundertprozentig ist eine rare Situation, auch bei der Impfung. Und natürlich schützt sie im Sinne der Grippe nicht automatisch gegen Erkältung oder sonstige Viren. Vor allem beim geimpften Mann tauchen Zweifel auf, wenn sich ein Schnupfen kurz anmeldet.
Nach den langen Jahren der Pandemie, mit ihren teils lästigen Nebenwirkungen wie Impfung und Maskenpflicht, sind manche Menschen der Nadel gegenüber ablehnend geworden. Verständlich. Das Phänomen nennt sich Überdruss mit einem Schuss Skepsis.
Kleine Entwarnung für die Misstrauischen: Es gibt keine Pflicht zur Grippeimpfung. Das Frei und Willige – das Wort dazu heisst Freiwilligkeit – ist das Schöne daran.
Ich mag den Begriff «In Flu Enza», denn da ist alles im Fluss.
Und mittendrin steckt das englische «flu», die Grippe.
So, ich geh mal kurz zum Heuhaufen.



