Ich geh’ mal stiften!
Geld vermehrt sich nicht. Oder wurde Geld jemals beim Rammeln erwischt? Na also. Was tut dann Geld den lieben langen Tag? Tut es Gutes oder liegt es einfach sinnlos herum?
Wenn mich, den ehemaligen Sechsjährigen, jemand gefragt hätte, was ich später im Leben tun wolle, dann hätte ich bestimmt «Ich will e Stifter wärde.» gesagt. Leider hat mich erstens niemand gefragt und zweitens wusste ich nicht, was ein Stifter ist. Erst später fand ich an der Idee realen Gefallen. Wer viel oder gar zu viel Geld besitzt, der hat zuerst Mal Macht und damit allfällige Ansprüche. Vermögen vermag Geldung verschaffen. Oder so. Geld will investiert werden, sagen die Berater mit Veranlagung. Soweit so gut. Muss sich das Geld bei der Investition vermehren? Oder reicht es dem Besitzer, wenn mit der Geldspritze eine vorher schlechte Situation in eine florierende verwandelt?
Basel ist die Stadt der Stifter.
Und das lässt sich auch mit Zahlen belegen. Belegte Zahlen sind bei aufgeklärten Leser:innen sehr beliebt. In der Schweiz liegt die Anzahl der Stiftungen pro 20’000 Einwohnern bei 15,1. In Basel hingegen liest sich die Zahl mit beeindruckenden 42,9 Stiftungen. Basel schlägt das Durchschnittliche gleich dreimal. Noch eindrücklicher ist die absolute Zahl von 900 gemeinnützigen Stiftungen in der Stadt Basel allein. Neben Christoph Merian und seiner Stiftung machen sich einige Familien daran, das Leben - vor allem das kulturelle Leben - von Basel zu bereichern. Familie Oeri und Hoffmann sind nur zwei Beispiele. Dann wäre da noch Peter Staechelin, 1967, und seine abgestürzte Maschine. und seiner abgestürzten Globe-Air Maschine von 1967. Der Mann geriet in Geldnot, also bot er der Stadt Basel zwei Picasso Gemälde für 8.4 Millionen Franken an. Gleich formierten sich Ideen zum Geldsammeln. Die Stadt organisierte «Bettlerfeste», Schuhe wurden gegen Spenden geputzt, Mahlzeiten angeboten, Weinkeller geleert und auf dem Drämmlibilljee zahlten Fahrgäste freiwillig Picasso-Aufschlag. Die Chemische von Basel rundete den Betrag auf 2.4 Millionen Franken auf. Soweit so gut, aber die sechs Millionen Franken fehlten immer noch und sollten aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden. Das Referendum war ergriffen und siehe da, am 17. Dezember 1967 meinten 54,2 von einhundert Baslern, das sei so in Ordnung. Pablo Picasso verfolgte diese Aktion weit entfernt in Mougins. Er lud den damaligen Museumsdirektor Franz Meyer zu sich nach Hause ein und schenkte Basel vier weitere Werke. Ja, als Geschenk. Der siebte Picasso in der neuen Heimat Basel war ein Geschenk der Mäzenin Maja Sacher.
Basel, 1967. Die Welt, 2026. Anderer Maßstab, gleiche Frage. Was Basel in seiner Geschichte in Sachen Stiftungen und Mäzenatentum geschaffen hat, muss für Milliardäre ein attraktiver Anreiz sein. Die Bezos, Musks, Zuckerbergs, Thiels und Gates dieser Welt haben bestimmt grosse Abteilungen mit vielen emsigen Menschen, die sich den Problemen widmen, die sich mit Geld lösen könnten. Also Hungersnot, Investitionen in den Klimanotstand, in das Gesundheitswesen, in die Kultur und in die Verminderung der Armut schlechthin. Wie stolz müssen sie sein, die Männer, die mit dem Geld, das übrig bleibt, die Welt retten., die sie mit ihrer Finanzhilfe mitgestaltet haben.
Die Headline schreibt sich von selbst:
1 % der Bevölkerung sorgt für die restlichen 99 %.
Das finanzielle Engagement ist nicht annähernd so gross, wie angenommen. Für die Einprozenter der Milliardäre läuft das bereits in Richtung Portokasse. Mit nur 170 Milliarden Dollar jährlich könnte die Armut auf ein Prozent der Weltbevölkerung gesenkt werden. Mit 114 Milliarden jährlich könnte die Infrastruktur für sauberes Wasser sichergestellt werden.
Dies sind nur ein paar Beispiele, wie das liebe Geld für eine bessere Welt sorgen könnte. Wenn es denn verfügbar ist.
Ja, ich bin ein Träumer und wäre gern ein Stifter. Aber ich bin nicht allein.



