ICE Fishing
Ein Mann geht mit einem Hocker und einem Eisbohrer aufs Eis und beginnt ein Loch zu bohren. Eine dröhnende Stimme hallt von oben wider: „Unter dem Eis gibt es keine Fische!“
Der Mann schaut erstaunt auf, entfernt sich ein paar Meter und beginnt ein neues Loch. Er hört: „Es gibt keine Fische unter dem Eis!“ Er geht ein paar Schritte weiter, beginnt zu bohren und hört dieselbe Warnung. Er blickt nach oben und fragt: „Bist du es, Gott?“ Die Stimme antwortet: „Nein, das ist der Eishallen-Manager!“
In Kanada ist das Eisfischen ein beliebter Sport. Vor allem auf echten Seen mit dicker Eisschicht. Manchmal stehen mitten auf dem See die parkierten Vans und paar Zelte, in denen eifrig gebohrt und gefischt wird. Kanadisches Klima unterstützt diese eisige Freizeitbeschäftigung mit dickgefrorener Eisschicht bis in die Monate März oder gar April.
In Minnesota in den Vereinigten Staaten von Amerika haben sich ein paar Bürger einen ähnlichen Zeitvertreib angeeignet. Leute ohne genetische Verbindung zu Lateinamerika begannen ihre Fahrzeuge mit mexikanischen Flaggen und Stickers zu dekorieren. Dann fuhren sie kreuz und quer durch Minneapolis — um ICE-Agenten auf falsche Fährten zu locken. Die Geschichte verbreitete sich rasend auf Social Media. Ich bin natürlich sofort drauf angesprungen. Läppli, Schwejk — der kleine Mann, der mit gespielter Dummheit die Mächtigen zur Weissglut treibt. Zu verlockend, um es nicht zu glauben.
Wenn sie denn wahr wäre. Ist sie nicht.
Minneapolis war da längst das Epizentrum einer massiven Anti-ICE-Bewegung — “ICE Out”-Demonstrationen mit Zehntausenden auf der Strasse. Belegte Berichte zeigen das Gegenteil: ICE selbst täuschte die Bevölkerung. Agenten traten in Bauarbeiterwesten und mit Helmen auf — in Fahrzeugen mit Phantom-Nummernschildern —, um die Bürger nicht zu alarmieren.
Die Aktion hiess «Operation Metro Surge».
Zwei Menschen wurden von ICE Agenten erschossen, einer starb in Haft.
Renée Nicole Macklin Good — 7. Januar 2026, Minneapolis
37 Jahre alt, US-Bürgerin, Schriftstellerin und Lyrikerin, Mutter eines sechsjährigen Kindes. Keine Aktivistin. Ihr Honda Pilot stand während einer Grossrazzia quer auf der Portland Avenue; Agenten griffen durch das offene Fenster, sie legte den Gang ein, ICE-Officer Jonathan Ross — Irak-Veteran, SWAT-Mitglied, Schiessausbilder — feuerte drei Schüsse. Sie starb im Hennepin County Medical Center.
Alex Jeffrey Pretti — 24. Januar 2026, Minneapolis
37, Intensivpflegefachmann beim Veteranenministerium, legaler Waffenträger mit Bewilligung, keine Vorstrafen. Er filmte Agenten an der Ecke 26th/Nicollet und half Demonstrierenden. Er wurde mit Pfefferspray besprüht, zu Boden gerissen, von rund sechs Agenten umstellt. Dann fielen weitere Schüsse — als er bereits regungslos am Boden lag. Zwei Beamte der Border Patrol feuerten.
Victor Manuel Diaz — 14./15. Januar 2026, Camp East Montana, El Paso
36, Nicaraguaner, am 6. Januar in Minneapolis von ICE festgenommen, nach Texas verlegt, dort tot in seiner Zelle gefunden. ICE sprach von Suizid, die Familie widerspricht. Die offizielle Todesursache war zuletzt noch nicht abgeschlossen.
Der “ICE Out”-Tag am 23. Januar mobilisierte rund 50’000 Menschen in die Innenstadt von Minneapolis — bei satten minus 29 Grad. Am 30. Januar, am “National Shutdown” nach Alex Prettis Tod, zeigten sich wieder zehntausende friedliche Demonstranten in der Stadt. Die Polizei von Minneapolis meldete für diesen Tag: keine Verhaftungen, keine Verletzten, keine Sachbeschädigung. Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: “Wir haben so viel aus den Floyd-Protesten gelernt — jetzt wissen die Leute, dass man den Mund aufmacht und friedlich handelt.”
Am 23. Januar wurden über 100 Geistliche festgenommen — bei einer Gebetsaktion am Flughafen Minneapolis-St. Paul. Auch das war geplanter ziviler Ungehorsam. Von Gewalt nicht die geringste Spur.
Wenn sich die Bürger zu organisieren beginnen und friedlich gegen Missstände protestieren, dann ist das einerseits pure Demokratie und andererseits der Geist des passiven Widerstands. Als ehemaliger Basler bin ich dem Dauerbrenner HD Soldat Läppli geistig und menschlich zugetan. Wenn sich Humor und kindlich-offenes Fragen zu Tausenden auf der Strasse treffen, dann kommen manche Mächtige ins Schwitzen.
Zu schade, dass die Story mit dem ICE Fishing erfunden ist.
File:Village sur glace de Saint-Fulgence3.JPG



