Hoffnungsträger
Ach sie mal an. Die Hoffnung will getragen werden? Erstens mal, wohin und zweitens, warum?
Die Hoffnung an sich ist an sich träge drauf, denn sie tut den ganzen Tag nichts anderes, als auf etwas zu warten, darauf zu hoffen, dass es geschieht. Ist das nun angewandter Fatalismus oder einfach nur Faulheit, was sich die Hoffnung hier vorstellt?
So, jetzt ist die Neugier hellwach und sie will mehr über dieses Phänomen Hoffnung erfahren. Also, liebe Neugier, fertig machen zur Recherche.
Oh nein, das fängt ja bereits gut an. Unter hoffen versteht der reguläre Mensch und sein Verstand, dass etwas in der Zukunft erwartet wird. Meistens ist das sogar mit dem Guten verbunden. Und da beginnt bereits das disaströse, sprich eher negative Ding mit Namen Hoffnung: Er wartet.
Ein Teil von Homo Sapiens - natürlich wieder «er» - wartet darauf, dass die Zukunft eben dieser Erwartungen bedient, befriedigt und gut ist. Nein, mein Freund, so läuft das nicht rund, wenn du so mit der Hoffnung umspringst. Denn die will mehr als nur dich zufrieden zu stellen. Da könnte ja jeder - oder jede - kommen und Forderungen stellen. Einerseits gibt die Hoffnung gute Laune. So weit so gut konstruiert. Andererseits ist die Hoffnung im Grundsatz völlig unzuverlässig. Sie stellt sich zwar hin und versetzt Menschen in einen minimalen Glückszustand, doch das ist nur eine Luftnummer. Denn die Hoffnung verpufft, verschwindet aus dem Leben, wenn sie ihre nie ausgesprochenen oder aufgeschriebenen Erwartungen nicht erfüllt hat.
So, jetzt ist es aber genug mit dem Runtermachen der Hoffnung. Sowas von unfair aber auch. Denn Hoffnung ist ein Tool, ein Werkzeug wie Hammer, Säge oder Schraubenzieher. Ja, im übertragenen Sinne natürlich. Doch ein Werkzeug ist nur so gut, wie der Anwender es zu bedienen weiss. Weisst du? Halte den Hammer oder die Kettensäge verkehrt rum, dann weisst du, was damit gemeint ist. Die Hoffnung als Instrument des Geistes und dessen Zustand ist so ein Werkzeug der aussergewöhnlichen Klasse. Denn sie hat Klasse, falls man sie nicht verkehrt herum in der Hand hält.
Hoffnung und ihre Träger sind Macher. Nicht Herumträger von Unsicherheiten. wenn sich die Hoffnung aufmacht, etwas in den menschlichen Köpfen zu bewegen, dann ist das gelebter Aktivismus. Denn Hoffnung setzt schliesslich einige Gedanken in Kraft, die vorher nicht mal im Ansatz oder im Nebel zu sehen waren. Wenn sich die Hoffnung die Schuhe anzieht, dann aufgepasst. Sie macht sich daran, das Für und Wider, das Mögliche und Unmögliche auf den Tisch zu legen. Dann gibt es die sogenannte Auslegeordnung, die oft mehr als genug Chaos enthält. Doch jetzt liegen Dinge auf dem Tisch, mit denen die Hoffnung arbeiten kann. Also als Vorbereiterin, sonst nichts. Sie sortiert Dinge aus, die gesichert niemals eintreten werden. Schönes Grillwetter, Weltfrieden oder Liebe mit Garantiezettel, zum Beispiel.
Vermutet die Hoffnung jedenfalls. Doch dann legt dieselbe Hoffnung den Schalter auf «aktiv» um. Dann wird die Sache brenzlig und hoffnungsvoll. Denn der menschliche Geist ist noch nicht von all denen verlassen, sondern wartet nur auf ein Zeichen. Oder gleich auf mehrere.
Ja, es besteht noch Hoffnung. Und wie sieht die aus?
Ich bin noch immer voll der Hoffnung und die werde ich mein restliches Leben gerne aktiv herumtragen. Und sie immer wieder kitzeln oder tätscheln, dass sie aktiv wird. Und so bleibt. Denn die Hoffnung weiss eines ganz bestimmt: Wenn sie sich die Hoffnung stets auf einen Träger verlässt, dann wird es eng, wenn der letzte Träger stirbt. Sie steht - oder sitzt - alleine auf weiter Flur. Und was tut sie dann? Sie stirbt.
Ergo: leisten wir uns die Hoffnung?
Klar doch und wir halten die alte Dame stets im Aktivmodus.
Das mag sie.
Ich auch.



