Auf Stein zu bauen macht dem Sand ziemliche Sorgen. Der Stein ist einfach viel beliebter, wenn ein Gebäude für längere Zeit stehen bleiben soll. Sand ist ja nur das Resultat von zermahlenem Stein. Im Prinzip. Doch diese Mahlerei hat dem Sand die Konsistenz und das Vertrauen entzogen. Punkt.
Der Stein hingegen hat an Attributen und an Zuspruch extrem dazugewonnen. Die Antike hat stets auf Stein gebaut. Die Römer sind sogar vor Strassen aus behauenem Stein nicht zurückgeschreckt. Sie haben sich auch nicht vor Viadukten geduckt. Meisterliche architektonische Überbleibsel einer vergangenen Kultur stehen immer noch fest in der Gegend.
Auf Stein lässt sich bauen.
Sogar die Literatur findet Gefallen am Stein des Anstosses. Denn es gibt Texte, die von Beginn an und noch vor der Sichtung durch Lektoren in denselbigen gehauen wurden. Texte für die Ewigkeit in der Steinwand der Geschichte.
Einen grossen Namen haben sich Steine gemacht, als sie zu reflektieren begannen. Also Steine wie Rubine, Diamanten und ähnliche komprimierte Steinformationen. Diese glitzerenden Dinger haben sich vor allem bei den Schönheiten der Promi- und der restlichen Welt einen teuren Namen machen können. Diamanten stehen ganz vorne in der Reihe, wenn es um die Bande der Freundschaften mit Frauen geht.
Fünf Steine haben sich rock und rollend in die Ewigkeit katapultiert. Vielen kommt es so vor, als hätte es niemals keine Welt ohne die Rolling Stones gegeben. Vor allem Keith war schon immer da und hat wahrscheinlich beim Siebentagewelterschaffen dem Schöpfer auf die Finger zugeschaut und rauchig-herzhaft gelacht. Fünf Buben aus England, die zeigten: ein Stein kann sich zum Diamanten schleifen, wenn man ihn lange genug rollen lässt. Was mich zurückbringt zum eigentlichen Stein von heute Morgen.
Doch ich war ja heute morgen beim Wort Grundstein hängengeblieben. Eigentlich haben sich einige meiner Synapsen den Begriff ausgesucht, nachdem ich die Augen kurz öffnete. Der Grundstein ist das erste Ereignis, das es bei einem Gebäude zu feiern gibt. Ein Stein. Eine Presseeinladung. Ein paar Schaufeln. Und ein paar mehr oder weniger prominente Gesichter aus Politik und Wirtschaft beugen sich einem Stein, der nun unter Blitzlichtgewitter verbuddelt werden soll. Auf diesem Stein soll der Rest des 198 stockwerkbildenen Gebäudes stehen. Wenn das kein Grund für Feierlichkeiten ist, was dann?
Meine Grundsteine waren ein paar Schallplattenläden und der Tag der Eröffnung. Es war zwar keine Presse und keine Politiker da, aber mein Team und ich standen müde, aber gespannt im Laden. Wer wird wohl der erste Kunde sein? Welche Platte wird als erste aus dem Laden getragen? Nach Wochen intensiver Arbeit stand der Laden nun blitzsauber und gut ausgestattet da und wartete darauf, sich als geschäftlicher Erfolg zu entwickeln. Wir haben zwar nie einen Stein verbuddelt, aber viel Geld, um das Ding das Laufen zu lehren.
Ja, es gibt öfters einen Grund - oder mehrere - um einen Stein zu legen. Wenn der Grund auch noch sichtbar ist, umso besser.
Das macht uns nicht zu Steinzeitmenschen.
Aber zu Gründern.



