Genies im Angebot
Nein, Ricola hat nichts damit zu tun. Aber das Prinzip — Idee säen, anderswo ernten lassen — das ist tiefschweizerisch.
Zugegeben. Kanada hat Milliarden von Dollars investiert, um KI auf den Weg zu bringen. Wohin dieser schlussendlich führen wird - wer kann das wissen?
Länder, die investieren, bevor sie wissen wohin die Reise geht — das verdient Respekt. Und manchmal auch Mitleid. Sei es in der Forschung, der Bildung, der Nachhaltigkeit und der sozialen Gerechtigkeit. Solche Errungenschaften stehen jedem Land gut an. Es geht um den Horizont, der sich um Amtsperioden nicht schert. Nun, Kanada hat enorm gute Talente im Portfolio. Yoshua Bengio zum Beispiel hat das Deep Learning miterfunden. In Toronto ist ein Mann namens Geoffrey Hinton zuhause, der die ersten neuronalen Netze trainiert hat.
Bitte was?
Was um Himmelswillen ist Deep Learning? Einfach gesagt: Maschinen sprich Anwendungen beugen ihre nicht vorhandenen Köpfe tief in eine Materie und lernen. Ohne zu ermüden. Sie sind die Grundlage für das Topthema überhaupt, die Künstliche Intelligenz. Also jene Disziplin, die uns Menschen eigentlich von Geburt an vertraut ist. Wir lernen. Egal, ob tief oder flach, aber wir lernen dazu.
Bengio und Hinton haben dafür gesorgt, dass Maschinen menschliche Sprache nicht nur lesen, sondern verstehen — also wirklich verstehen. Ähnlich erstaunlich im Ergebnis erkennt KI Bilder mit einer unglaublichen Präzision, die früher nicht mal im Ansatz denkbar war. Und die Verbindung der beiden Eigenschaften lässt die Robotik und die Robotik in ihrem Hunger nach Automatisierung auf Touren bringt.
Soweit so künstlich.
Zurück zu den kanadischen Investitionen in Talente wie Yoshua Bengio und Geoffrey Hinton. Was in Kanada entstand, wurde dort auch gelehrt — an Universitäten, in Laboren, von Mensch zu Mensch. Doch die Geschichte endet nicht in Kanada. Zwei Drittel dieser Talente verlassen die kanadische Heimat in Richtung Süden, also in die USA oder in andere Teile der Welt. Und sie kommen nicht mehr zurück.
Kanada hat all diese prächtigen, intelligenten Setzlinge, die glänzende Zukunftsperspektiven versprechen. Doch scheinbar fehlt der Boden, in dem sie Wurzeln schlagen und gedeihen können. Die aufmerksamen Nachbarn bemerken das und pflanzen die Talente in ihrem Boden. Und sie ernten.
Irgendwo zwischen dem Setzling und der Frucht fehlt eine Station — der Moment, wo aus dem Versprechen ein Produkt wird., in dem aus dem Prototypen echte Produkte werden. Was fehlt, ist ein Ort — in Kanada selbst — wo Idee, Theorie und Markt zusammenfinden dürfen. Nicht irgendwo in der Welt, aber im Land der ursprünglichen Investition.
Zwischen dem Aussäen der Talente und der Ernte sollte man das Giessen nicht vergessen. Eh
?



