Wie? Was? Alle Menschen dieser Welt können auf dem Handy zusehen, wie ein Mann live vor laufender Kamera erschossen wird? Väter, Mütter, Singles und Kinder dürfen alle zusehen? Klar doch. Popcorn nicht vergessen.
Und wer sagt, dass Tradition keinen Bestand hat. Das öffentliche Hinrichten hat eine lange, düstere Geschichte anzubieten. In London wurden die sogenannten «Hängetage» zu gesetzlichen Feiertagen erklärt. Das war ein Plausch für die ganze Familie, wenn Verkäufer Snacks anboten und hohe Preise für die guten Sitze bezahlt wurden. Die Ironie: Während einer gehängt wurde, weil er Taschen stahl, klauten andere Taschendiebe im Gedränge der Zuschauer. Ironie ist ein echter Klassiker.
Die Masse an Bürgern jubelte manchmal dem Verurteilten zu und randalierte.
Im Jahr 1848 sah Charles Dickens, wie ein Mann öffentlich gehängt wurde. Das Entsetzen in Dickens’ Gesicht entstand beim Blick auf das Verhalten der Zuschauer. Er empfand die Masse der Schaulustigen der öffentlichen Hinrichtung als entsetzlicher, als dem Töten zuzusehen.
England entschloss sich zwanzig Jahre später, das organisierte öffentliche Töten zu beenden. Frankreich liess sich etwas mehr Zeit und richtete ab 1939 hinter verschlossenen Türen.
Nun, gibt es noch Länder in der heutigen modernen oder modernden Zeit, die solche Spektakel noch durchführen? Der Iran, Saudi Arabien und Nord Korea bieten das Spektakel, das eigentlich eine Botschaft an das eigene Volk sein soll. Nein, die Vereinigten Staaten von Amerika gehören nicht dazu. Der Totgeweihte heisst Nidal Hasan, der im Jahr 2009 in Fort Hood dreizehn Menschen sinn- und gnadenlos erschoss.
Der Mann hat den gesamten juristischen Prozess durchlaufen. Er wurde angeklagt, erhielt einen Prozess mit Geschworenen, wurde verurteilt und es wurden anschliessend jahrelang über Berufungen verhandelt. Die Justiz hat ihre legitime gesetzliche Arbeit erledigt.
Nun soll mit einem monströsen Täter eine Show Erschiessung made in the USA gemacht werden. Welch volltrunkene Idee von Pete Hegseth, dem US-Verteidigungsminister, die sogar per Live-Stream in die Welt ausgestrahlt werden soll. Eine uralte Idee aus dem autoritären Handbuch — nur mit besserer Kamera. Die letzte öffentliche Hinrichtung in den USA gab es 1936 in Kentucky und lockte zwanzigtausend Menschen in die Stadt. Die Szenerie muss so hässlich gewesen sein, dass die Bundesstaaten die Hinrichtungen endgültig ins Gefängnis verlegten.
Warum haben demokratisch geführte Nationen die öffentlichen Hinrichtungen hinter verschlossene Türen verlegt? Nun, das ursprüngliche Ziel der Abschreckung durch eine legale Tötungsshow hat keine Verbrechen verhindert. Öffentliche Hinrichtungen machten die Menschen nicht sicherer, sondern grausamer. Der Tod als Unterhaltung hat keinen Lehrwert.
Das alte Rom vor über zweitausend Jahren verstand den Trick nur zu gut, als sie die Brot und Spiele im Kolosseum einführten. Halte die Leute satt und unterhalte sie, dann stellen sie keine Fragen. Die brutale Weise für dieses Ziel wurde bald durch das Einführen von Privatfernsehen und sozialen Medien abgelöst. Viel harmloser, aber ebenso effektiv in der Realisierung.
Es ist für mich als Swiss-Canadian täglich schwer zu ertragen, wenn ich den Blick auf den südlichen Nachbarn lenke. Da brodelt eine Suppe, vor der schon Tucholsky vor hundert Jahren warnte — Masse, Spektakel, der Jubel beim Zusehen.
Daran hat sich im Jahr 2026 nichts geändert.



