Für und Wider. Immer wieder.
Mit starkem Rückenwind voll begeistert in eine Richtung rennen, um dann mit der Nase in eine Wand zu knallen. Wie frustrierend ist das denn?
So fühlt es sich an, wenn die Idee selbst die Rennschuhe anzieht — vollgepumpt, wach, los. Woher kam eigentlich diese Wand her, um der Nase guten Tag zu sagen?
Die Zweifel. Die Einwände. Das sind die Mauern, die so manchen ursprünglichen Lauf der Leidenschaft kurzerhand gebremst hat. Wie war das nochmal mit den Widerständen in Wirtschaft, Politik und im privaten Leben? Das Für und Wieder einer Vision, bevor sie die Planken der Realität betritt? Sind das nicht vorbereitende, überlegliche und vor allem kritische Gedanken, um der Vision ehrliche Chancen und Probleme aufzuzeigen, bevor die sich unerwartet zeigen?
Und dann sitzt die Idee auf der Bank. Entgeistert. Frustriert. Die Begeisterung von damals ist nur noch eine Hülle. Die Argument Für hatte sie bereits im Gepäck und hat sie zum Losrennen ermuntert. Aber das Wider? Vollstopp im rasenden Galopp. Und wenn die Widersprüche im Plural auftreten, wirken sie genau das: widerlich. Die Argumente gegen die Idee sind ein brutales Zerpflücken — der ursprünglichen Leidenschaft, dieses Ding überhaupt zu stemmen. Da fragt sich mancher Visionär: «Was treibt diese Widerlichen an, meine Vision zu zerlegen?» Nun, man nennt diese Dinger auch «Des Teufels Advokaten», denn die suchen nach all den Argumenten, die ein Projekt ins Verderben fallen könnten. Ja, könnten. Denn weder die Für noch die Wider wissen verlässlich, ob sie recht haben .Oder eben nicht. Doch es ist ihr Job, eine Auslegeordnung der Argumente und Fakten herzustellen.
Und der Pudel steht da. Begossen. Und wundert sich, wohin die Begeisterung eigentlich verschwunden ist. Es hat lange gedauert, bis ich diesem Hin und Her überhaupt etwas abgewinnen konnte. Es war einer dieser Schlüsselsätze, die ein Leben lang haften bleiben. Der eine Satz war: «Kritisches Denken sorgt dafür, nicht weiterhin mit einem Irrtum zu leben.» Natürlich nervt mich dieses Reingrätschen in meine begeisternden Ideen und Gedanken, wenn ich ebenfalls bereits die Rennschuhe anziehe, um diese eine geniale Idee in die Welt zu entlassen. Aber genervt sein? Das ist der Zünder. Dann rennen auch die kritischen Gedanken los.
Nein, der kritische Gedanke ist kein Problemlöser. Der zeigt nur auf die Lücke, auf das Nichtbedachte. Es geht auch nicht darum, ob das Für oder das Wider gewinnen wird. Doch das Überdenken einer Idee oder eines Problems ist stets erleichternd.
Danach. Einfach danach.
Ach, fast hätte ich es vergessen. Das Für und Wider sorgt dafür, dass man mit beiden Beinen und Gedanken auf dem Boden der Realität bleibt und nicht zum ewigen Klugscheisser mutiert.
So, lass uns hier und jetzt über das Für und Wider einer lukrativen Klugscheisser-Existenz reden.
OK?
NEIN!



