Frei und willig.
Sie feiert dieses Jahr den 75 jährigen Geburtstag. Mit «sie» ist Women's Auxiliary Volunteers gemeint.
Wenn Freiwillige kranken Kindern die Hände halten, während die Eltern weinen. Die Idee für Women’s Auxiliary Volunteers oder kurz WAV entstand durch einen sogenannten «pillow talk». Zwei Ärzte unterhielten sich über eine notwendige Bibliothek, die für zweitausend Dollar zu haben sei, doch das Geld fehlte. Die Ärztin organisierte einen Basar und holte den doppelten Betrag rein. Beide Ärzte sahen dieses Engagement als Notwendigkeit und das Projekt stand auf freiwilligen Füssen, sprich unbezahlter Einsatz.
In 75 Jahren freiwilligem Einsatz im Sick Kids Hospital in Toronto hat sich eine Generationenkette gebildet. Kinder werden Eltern. Eltern werden Grosseltern. Und einige kehren später wieder als Freiwillige in Women’s Auxiliary Volunteers zurück.
Zum Mitschreiben: Unter Freiwilligenarbeit versteht der allgemeine Volksmund und dessen Träger:innen schlicht unbezahlte Arbeit. Menschen verbringen viele Stunden ihrer Zeit, die Kinder in Sick Kids Hospital mental zu unterstützen.
Aus reiner Neugier wollte ich wissen, wie gross oder wie klein diese unbezahlten Stunden der Freiwilligen im Spitalwesen von Kanada aussieht.
Im 2023 zeigt StatCanada eine beachtliche Zahl von 35 Millionen Stunden, die von Freiwilligen in den Spitälern geleistet wurden.
Abgesehen von den nackten statistischen Zahlen stehen die Menschen im Mittelpunkt des Geschehens. Für manche Zeitgenoss:innen ist der Begriff «Freiwilligenarbeit» bereits ein rotes Tuch.
«Wie, unbezahlte Arbeit? Was ist das denn?»
Nun, wenn diese 35 Millionen an Stunden jährlich NICHT mehr geleistet würden, dann wäre die Frage «Was ist das denn?» mit «eine Katastrophe» beantwortet. Nun, im Jahr 2013 ist dieses Engagement für freiwillige Dienstleistungen um ganze 47 % eingebrochen.
Wer sich schon mal als Freiwilliger geoutet hat, wird sich kaum über diese Entscheidung beklagen. Sonst gäbe es kaum noch Menschen, die ohne Zögern auf der Matte stehen und sich engagieren. Der Lohn für diese Arbeit ist nicht mit harter Währung beziffert, sondern die leise Erkenntnis, jemandem eine Stütze, ein Zuhörer, ein Mitfühlender gewesen zu sein. Solche Momente lassen sich nicht in einen Betrag quetschen.
In der Schweiz wird die Arbeit der Freiwilligen meistens in einem Verein organisiert. Von solchen Vereinen wimmelt die kleine Schweiz, als gäbe es kein Morgen. Meine Arbeit im Quartierverein oder im Gewerbeverein war einerseits lehrreich und andererseits ein hervorragendes Netzwerk an Menschen, die sich ebenfalls frei und willig gaben, sich zu engagieren. Einfach so.
Die Women’s Auxiliary Volunteers hat ein Dreivierteljahrhundert mit Wärme für die Kinder im Sick Kids Spital gefüllt. Und wird dies auch weiterhin so freiwillig durchziehen.
Nicht nur, weil sie freiwillig, sondern weil sie Menschen sind.
Frei und willig.



