Es wehen, ach, zwei Fahnen im Wind.
m Freitagabend blicken Kanadier mit bosnischem Hintergrund auf das Auftaktspiel der Fussballweltmeisterschaft 2026. Kanada gegen Bosnien wird kein Entwer-Oder.
Kanada als Land der Immigration schlechthin fiebert für beide Mannschaften. Wenn morgen Nachmittag die Schweiz gegen Qatar spielt, dann trage auch ich meine volle Sympathie für beide Teams in der Tasche.
Denn, es ist ein Spiel. Und ich spiele gern.
Am Freitagabend wird Amir Hadžić in seinem Wohnzimmer in Mississauga zwei Trikots übereinander tragen — das rote mit dem Ahornblatt und das blaue mit den Lilien. Und zwei Brüder hängen vor ihrem Gemüseladen in Etobicoke eine bosnische Flagge neben die kanadische. Auf die Frage, wer gewinnen soll, sagen beide: ein Unentschieden wäre perfekt.
Ein Schweizer in Newmarket wird sich morgen Nachmittag im lokalen Stadion zum «Public Viewing» über das Spiel der Schweiz gegen Qatar freuen.
Die Fans in Kanada ticken bei Sportveranstaltungen etwas anders. Die Freude am Spiel dominiert über die Angst, den Wettkampf zu verlieren. Schliesslich führen Immigranten wie ich von beiden Ländern eine grosse Portion an Geschichte mit im Gepäck. Ob Bosnien oder die Schweiz oder Kanada - der Mix sorgt für Würze.
Für diese Weltmeisterschaft im Kicken muss ich mich immer wieder besinnen, dass die widerlichen Umstände dieser WM nicht dominieren sollten. Nein, ignoriert auch nicht. Es ist immer noch eine grundsätzliche Idee, dass sich Mannschaften aus der ganzen Welt auf dem Rasen treffen, um für neunzig oder mehr Minuten um einen einzigen Ball kämpfen. Grösstenteils friedlich und fair. Als Zuschauer zittere ich dann entweder unter Hochspannung oder leide unter Langeweile.
Ja, ich freue mich auf die Spiele.
Neunzig Minuten ohne toxischen, politischen Beigeschmack sind sowas von wertvoll.
Das lasse ich mir weder vom Butterbrot noch vom Stadion wegnehmen.
Go, Canada, Go!
Hopp, Schwyyz
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