Empfangsgerät
Während des Empfangsgerät der eine Hörer in arge Schwierigkeiten. So habe ich das zumindest verstanden, als ich das Wort heute durch die wenigen offenen Gehirnwindungen auf mich zukommen sah.
Die Idee, dass ein warmer Empfang, eine herzliche Umarmung am Bahnhof oder am Flughafen durch ein Gerät ersetzt wird - wie kaltschnäuzig ist das denn? Solche menschlichen Regungen überlasse ich doch nicht einem Gerät oder noch schlimmer: der KI. Keine Chance. Das ist immer noch einer der Vorteile, der die Menschlichkeit so einzig- und eigenartig gestaltet. Ja, eigenartig. Es ist dem Homo Sapiens eigen, fremden Wesen offen zu empfangen. Ich glaube, das treffende Wort ist «Humanismus», wenn ich mich recht erinnere.
Diese Woche beginnt das Empfangen fremder Gäste gleich in drei Ländern des amerikanischen Kontinents. Mexico, Kanada und die Vereinigten Magnaten von Amerika. Der Fussball und seine Akteure feiern eine Meisterschaft, die Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringen soll. Das funktioniert meistens auch - zumindest vor dem Spiel. Millionen von Menschen werden eines oder mehrere Spiele der Mannschaften als Zuschauer live vor Ort besuchen. Die Gäste werden in Hotels schlafen, in Restaurants essen und Souvenirs einkaufen. Da wird die Wirtschaft ganz schön in gewinnträchtige Zonen gehievt.
Zumindest war das bisher so der Fall, wenn ein Land - oder wie hier mehrere Länder - sich als Gastgeber zur Verfügung stellen. Nachdem sie sich knallhart und in harter Währung dafür beworben haben.
Die Empfangsgeräte Mexiko, Kanada und die USA sind eingeschaltet und erwarten ihre Gäste. Hurrah.
Moment, mein Empfangsgerät ins Stocken. Scheinbar läuft an der Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika irgendwas nicht so geschmiert, wie gehofft. Der somalische FIFA Schiedsrichter Omar Artan wird als nicht empfangsbereit deklariert und wieder nachhause geschickt. Einreise verweigert. Fussballteams der Fussballweltmeisterschaft werden an Flughäfen wie Kriminelle empfangen. Und Kanada übt sich im vornehmen Schweigen.
Als Swiss-Canadian freute ich mich auf die Begeisterung, das Zittern und die Erwartungen meiner Lieblingsmannschaften beim fröhlichen Fussballkicken. Doch diese Freude gerät in Empfangsschwierigkeiten. Oh nein, die Freude an den kickenden Teams und an den Reaktionen des Publikums in den Stadien ist noch da.
Aber der bittere Geschmack des praktizierten Faschismus macht sich täglich stärker bemerkbar. Und diesen Geschmack mochte ich noch nie.
Holy smokes.
Ich werde sofort mein Empfangsgerät etwas justieren, neu einstellen. Die Freude der Fussballbegeisterten an den weltmeisterlichen Spielen sind hoffentlich friedlich, fantastisch und vor allem gastfreundlich.
In allen drei Ländern.
Das sagt mein Hoffnungsgerät und lässt mich die Spiele mitverfolgen.
Aus der Ferne und am Bildschirm.
GOAAAAAL
!



