Der dritte Mann ist ein kanadisches Hockey Thema. Zwei Spieler prügeln sich, ein dritter springt dazu und fliegt dann vom Eis. Tod Maffin hat gestern genau diese Story gepostet – zwei prügeln sich, der Dritte fliegt. Treffender ging’s nicht.
Worum geht’s? Gestern wurde in der Provinz Alberta über eine Referendum abgestimmt, ob sich Alberta von der Nation Kanada trennen will. Die Separatisten haben viel Arbeit in diese Aktion investiert. Immerhin haben sich diese mehrmals mit dem US State Department getroffen, um über die Abspaltung Albertas zu sprechen. Der Preis: eine Kreditlimite von 500 Milliarden Dollar. Nichts ist gratis, auch keine Abspaltung. Oder zumindest eine Zusage made in the USA, die ja von der aktuellen Regierung zuverlässig eingehalten wird. So jedenfalls war die Meinung der separatistischen Vertreter. Im Gegenzug bietet Alberta Anteile am Trinkwasser, an Rohstoffen und natürlich Öl-Tantiemen an.
Wie grosszügig: Eine kanadische Provinz verhökert kanadisches Süsswasser, kanadische Tantiemen, kanadische Rohstoffe – an die USA. Als Goodwill tauchten republikanische Strategen in Calgary in der Provinz Alberta auf. Das waren dieselben Leute, die in Michigan bei der letzten Präsidentenwahl bei der Wahl «mithalfen». Der Besuch in Calgary knackte eine Datenbank mit etwa drei Millionen Wähler:innen mit Namen und Adressen. Autsch.
Gestern Montag am 19. Oktober gingen die Albertans an die Urne, um für eine Zukunft als Provinz Kanadas abzustimmen. Oder Kanada zu verlassen. Das vorläufige Ergebnis um 4 Uhr morgens: deutlich. Immerhin 77 % wollen, dass Alberta in Kanada bleibt.
Das Referendum war nicht nur eine Sache von kanadischen Separatisten gewesen, sondern auch reiner amerikanischer Imperialismus, wie es scheint. Wenn das zweitgrösste Land der Welt gebrochen wird, dann wird Kanada leichter zu erpressen sein. Und damit einer möglichen Annektierung die Tür öffnen.
Soweit die Theorie und Praxis in der Geschichte der politischen Machtverschiebungen.
Doch die USA scheint ihre Nachbarn noch immer nicht zu kennen. Washington hat mitgeprügelt wie der dritte Mann – und übersehen, dass Alberta und Kanada nach der Schlusshupe sich die Hand geben, nicht sich trennen. Wenn nach dem Hockeyspiel die Schlusshupe ertönt, dann gibt man sich die Hand. Auch die Hand des Gegners. Man fährt auf derselben Strasse und denkt sich «Alberta took the long way home. Same Highway.»
Same Highway. Das ist Teamgeist – auch wenn einer kurz vom Eis geflogen ist.
Heute trenne ich mich nach sieben Jahren von Specialty Lofts.
Ich bin ab heute der Mann an der nächsten Ecke.



