Algen Humor
Niemand mag sie. Man kratzt sie vom Teich, flucht über den grünen schleimigen Film auf dem Wasser.
Und vergisst dabei: Wir sollten auf diesen Urviechern der Algen auf den Knien danken und tief durchatmen. Vor rund 2.4 Milliarden Jahren, also vorvorvorgestern, begannen nicht die Grünalgen, sondern deren blauen Brüder und Schwestern sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Denn damals, als die Welt halb so alt war wie heute, war das Thema Sauerstoff eher ein Randthema. Die Lebewesen auf dem damals noch basalt-schwarzen, dann roten Planeten Erde fanden das Atmen völlig unnötig. Dieser moderne Trend des gemeinsamen Schnaufens? Nein Danke.
Und eben diese Blau-Algen begannen sich - durch Hinweise ihrer Vorahnen, den Cyanobakterien - mit der Photosynthese zu befassen. Warum? Das ist schwer zu sagen, denn aus dieser Zeit sind kaum mehr Zeitzeugen zu finden.
Was diese kleinen Viecher damals nicht ahnen konnten: Sie waren für die grösste Vernichtung von Leben in der Geschichte von Mutter Erde verantwortlich. Die haben es mit der Photosynthese derart exzessiv übertrieben, dass sich der Planet entschloss, mal kurz komplett zu vereisen. Ergo war die Erde einfach ein riesiger, runder Eisklotz in der Milchstrasse.
Also soweit reicht zumindest die Theorie.
Nun, den Algen gebührt dennoch etwas Respekt. Denn sie haben Milliarden von Jahren überlebt und haben ihre Präsenz nun sogar prominent in die Medien geschafft. Und wieder werden diese armen grünen Dinger von der Mehrheit der Lebewesen im Jahr 2026 gehasst.
Anstatt bereits damals ihre Taten zu reflektieren und den Weg der besseren Algen zu beschreiten, beschlossen sie stattdessen, ihr schleimiges Image weiterhin zu demonstrieren.
Der berühmte Pool vor dem Washington Memorial ist zu einem schlammigen, grünwabernden Etwas geworden. Von Reflektion ist nicht die kleinste Spur zu erkennen. Weder im Pool selbst, noch im Weissen Haus.
Welch eine Tragik.
Moment Mal. So toxisch will ich die Geschichte der Algen nicht in der Gegend stehen, sprich im Pool wabern lassen. Denn die geballte Berichterstattung der Medien über das Algendisaster hat viele gute Nebenwirkungen.
Frühmorgens um sieben ist die Welt wieder in Ordnung. Ich sehe und höre nichts mehr über den Genozid in Gaza. Ich weiss nicht genau, was im Iran gerade passiert. Der aufkeimende Faschismus in manchen Ländern? Ebenfalls nicht mehr Teil meiner Frühstücksprozedur. Ach wie schön ist es, den Tag ohne dieses bedrohliche Szenario-Präsentationen über das Kippen des Klimas zu geniessen.
Der Tag ist schön. Das Leben unterhaltend. Und wir müssen in unserem Leben auf nichts verzichten.
Hmm. Irgendwas fehlt mir in dieser pinkfarbenen Barbie Welt. Das Salz in der Suppe? Die Herausforderungen für eine bessere Welt? Die leidigen Themen mit den Mitarbeitern?
Ich liebe mein Leben. Aber ich liebe auch Familie und Freunde sowie Nachbarn. Denn die sind Teil einer Gemeinschaft, die ich nicht einfach ignorieren will. Oder gar kann. Unsere Geschichte der Menschheit hat immer wieder gezeigt, wie wir uns zusammen organisieren und mit der Zeit grosse Dinge zum Besseren wenden können. Ja, das braucht Durchaltewillen und Geduld sowie eine grosse Menge an Menschen mit ähnlichen Zielen.
Ignoranz hat nie wirklich Probleme aus der Welt geschafft.
Ach ja, ich will auch nie in die destruktive Geschichte der Blau- oder Grünalgen eingehen.
Das einzig Gute an diesen Urviechern? Der Algen-Humor.
Den will ich behalten. Denn Humor ist heilsam.



