10 Jahre Shitfuckery.
Es gibt Wörter, die kein anderes Wort ersetzen kann. «Shitfuckery» ist eines davon. Giordano Nanni, Lucy und Luca benutzen es in ihren Videos ohne Zögern — und genau das ist der Punkt.
Und sie benutzen Shitfuckery in ihren ehrlichen Regierungsvideos praktisch lückenlos. Warum? Nun, diese Juice Media Videos berichten über politische Ereignisse, die kaum ein anderes Wort als Shitfuckery als passend empfehlen würden.
Moment Mal, wer sind Giordano Nanni, Lucy und Luca? Wahrscheinlich sind das keine Namen, die sofort ein Bild im Kopf auslösen — zumindest nicht ausserhalb Australiens. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Aber diese kurzen Satire-Videos namens «Honest Government Ads» geben viel Gesprächsstoff. Denn sie sind pure Satire mit Biss.
Giordano Nanni ist Doktorat in Geschichte, Spezialist für britischen Kolonialismus — und heute Schöpfer der «Honest Government Ads», einem Kanal, der gleichzeitig aufklärt, wütet und lachen lässt — und das seit zehn Jahren.
Das Konzept ist bestechend einfach und vor allem überzeugend: Regierungswerbung — aber ehrlich. Eine lächelnde Sprecherin, professionelle Grafik, und dann der Text, den Politiker nie sagen würden. Klima-Greenwashing? Aufgedeckt. Milliarden-U-Boot-Deals? Seziert.
Was Giordano von akademischen Expert:innen unterscheidet: Er erreicht Menschen. 815’000 Abonnent:innen auf YouTube. Millionen Aufrufe.
Und wenn Greta Thunberg sich als Fan der Honest Government Ads outet und sich als Podcast-Gästin meldet - dann braucht es kein weiteres Argument.
«Manchmal sagen Leute, ihr seid meine einzige Nachrichtenquelle», sagt Giordano. «Das halte ich nicht für gut.» Selten sagt jemand mit einer halben Million Followern so offen: Das hier reicht nicht als Grundlage.
Zehn Jahre. Kein Konzernbudget, kein Redaktionsgebäude, kein PR-Team. Nur ein Ex-Professor, seine Partnerin als Stimme, zwei Schauspielerinnen, und ein Skript voller Flüche — im Dienst der Wahrheit.
Giordano und sein Team haben mich vor zwanzig Jahren gleich zu Beginn der Pandemie aus dem Konzept gebracht. Und mir Kaffeeflecken auf dem Hemd beschert. Damals sah ich das erste Video von Juice Media, auf das ich «hereingefallen» bin. Der Titel «Honest Government Ad» hatte mich neugierig gemacht — und ich hatte tatsächlich kurz geglaubt, es könnte eine echte sein. Zudem hat ein Interview zwischen Giordano, David Suzuki und dessen Tochter Severn mir einen Gedanken mitgegeben, der mich nicht losgelassen hat. In dem Gespräch ging es um die Klimaveränderungen und weshalb in Britisch Columbia dieses eine Dorf durch die Hitze völlig niederbrannte und im Nachbardorf Kanaka Bar kaum tangiert wurde. Das Dorf Kanaka Bar ist eine kleine indigene Gemeinde in British Columbia. Die Gemeinschaft sind besser auf den Klimawandel vorbereitet — mit Farmen und Gärten zur Stärkung der Ernährungssicherheit, mit eigener erneuerbarer Energie und mit selbst erhobenen Umweltdaten, um sich bestmöglich auf das Kommende vorzubereiten. Severn meinte lakonisch: «Wir Westlichen werden uns hilfesuchend und auf den Knien bei den Indigenen Bevölkerung um Hilfe bitten.”
Vorgestern wurde Juice Media zehn Jahre alt. Giordano Nanni und sein Team beweisen: Satire ist nicht bloss Unterhaltung. Sie ist Bildung mit Haltung. Und Vice Versa.
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